LiSL Bayern im Interview mit Erich Haas

Erich Haas, 2016

Erich Haas in seiner Wohnung 2016

Erotische Erlebnisse eines 97-jährigen, erzählt von ihm selbst für die Liberalen Schwulen und Lesben (LiSL) Bayern. Wir sind heute zu Gast in der gemütlichen Wohnung des ehemaligen Hoteldirektors, Mitarbeiters im diplomatischen Dienst u. a. als protokollarischer Betreuer der rumänischen Exilregierung in der Zeit des 2. Weltkrieges und wunderbaren Menschen Erich Haas in der Agnesstrasse in München. Nach einigen Vorgesprächen in München und Berlin bei der Magnus Hirschfeld Stiftung mit Sabine Leutheusser-Schnarrenberger und Heiko Maas, für die Herr Haas als Zeitzeuge mitgewirkt hat, spricht er heute exklusiv mit Uwe Tomas von LiSL Bayern über seine Jugend in Siebenbürgen und seine erwachende Homosexualität. Sein Buch, erschienen im Forum Homosexualität in München, gibt ja schon viele Antworten, beschreibt seinen Werdegang, sein politisches Engagement für die Gleichstellung Homosexueller. Aber wie alles in Rumänien begann, erfahren wir hier in diesem Interview.

Uwe Tomas: Lieber Herr Haas, danke, dass Sie mich im Namen von LiSL Bayern so herzlich bei sich privat empfangen. Wie geht es Ihnen?

Erich Haas: Ich bin zufrieden solange es so bleibt.

Werk von Erich Haas: "... eines Freundes Freund zu sein ...". Lebensgeschichte.

Erich Haas: „… eines Freundes Freund zu sein …“. Lebensgeschichte.

Uwe Tomas: Ihr Buch „ ….eines Freundes Freund zu sein….“*, Lebensgeschichte, erschienen im Forum Homosexualität München, im Juli 2009, zu beziehen über Forum Homosexualität München e.V., Bayerstr. 77a, 80355 München, sagt ja schon viel über Ihr Leben aus. Wie und wann haben Sie gespürt, dass Sie sich zu Männern hingezogen fühlen?

Erich Haas: Ich hatte damals keinerlei Bewusstsein für meine Homosexualität. Es war ein Spiel mit Jungen aus der Nachbarschaft, da ja Mädchen durch die unterschiedliche Erziehung gar nicht zusammen mit uns draußen rumtollten. Sie wären gar nicht für diese „Spiele“ erreichbar.

Uwe Tomas: Ihr erstes sexuelles Erlebnis mit einem Mann, hat das Schuldgefühle ausgelöst?

Erich Haas: Nie. Das ist in diesem Alter von 15, 16 Jahren normal, ich habe mir dabei gar nichts gedacht. Wenn ich Lust auf ein Spiel mit dem Nachbarsjungen hatte, habe ich mich unter sein Fenster gestellt und gepfiffen. Er kam dann schnell in den Garten und wir haben uns in der Laube vergnügt. Den hab ich ganz schön fertig gemacht…..

Uwe Tomas: Ich habe „erotische Geschichten eines 97-jährigen“ angekündigt. Erzählen Sie mir, wie Sie Ihre Triebe mit 16, 17 Jahren ausgelebt haben.

Erich Haas: Mit 16 Jahren war ich oft mit Burschen aus einer Art Verbindung zusammen, die schon ein paar Jahre älter waren. Da wurde viel getrunken und gefeiert, aber in Hermannstadt, wo uns jeder kannte, konnten wir nicht so frei sein. Deshalb sind wir ein paar Kilometer ins nächste Dorf gewandert. Einmal, auf dem Rückweg, kamen wir durch eine Strasse, wo Nutten standen und die älteren Jungs wollten, dass ich zusammen mit meinem Nachbarn die Unschuld verliere und zu einer Prostituierten gehe. Im Zimmer dann lag die Dame nackt und breitbeinig auf dem Bett und ich sollte machen. Da ging gar nichts. Ich habe ihr dann die 20 Leu gegeben und sie sagte auch nichts über mein „Versagen“. Zuhause angekommen, habe ich mich mit meinem Freund, der auch bei einer der Damen war, unterhalten und ihm erging es genauso. Da haben wir gelacht und sind in den Garten und haben uns miteinander auf einer Bank vergnügt.

Uwe Tomas: Sie sind in einem sehr liebevollen Elternhaus aufgewachsen, mit einem hohen Bildungsniveau. Ist das eine Vorraussetzung für Toleranz, für Weltoffenheit? Wie wichtig ist Bildung für die Entwicklung eines Kindes? Dass es Toleranz selbst leben wird?

Erich Haas: Homosexualität war bei uns in der Familie unbekannt. In Hermannstadt gab es zwei Männer, die wir warme Brüder nannten, aber da gab es keine Berührungsängste. Mein Vater war mit dem einen, Arzt und Direktor der Irrenanstalt, öfter mal im Kaffeehaus und hat dann von den Gesprächen mit ihm zuhause erzählt. Ich denke wir als Minderheit in Rumänien hatten anderes zu tun als gegen noch kleinere Minderheiten zu hetzen. Mit der rumänischen Bevölkerung gab es kaum Probleme, mein Vater war neben dem Landesbischof der weltliche Vertreter der deutschen Minderheit, allerdings ohne einen Senatorensitz im Parlament wie der Bischof ihn hatte.

Uwe Tomas: Sie verfügen über Sprachkenntnisse in – erzählen Sie selbst.

Jugendbild von Klaus Linde, Lebensgefährte von Erich Haas

Jugendbild von Klaus Linde, Lebensgefährte von Erich Haas

Erich Haas: Zuhause sprachen wir deutsch, vom Dienstmädchen, einer Ungarin, habe ich ungarisch gelernt. Mein rumänisch wurde mir durch meine Spielgefährten beigebracht, mit 5 Jahren kam ich in den französischen Kindergarten. Dann habe ich auf dem Gymnasium weitere 8 Jahre französisch gelernt, was mir im diplomatischen Dienst eine große Hilfe war. Erst viel später nach der Flucht habe ich auf der Hotelfachschule englisch gelernt, was ich auf der Dolmetscherschule vertieft habe. So war es für mich nicht schwer, schnell italienisch zu verstehen, da dies auch eine romanische Sprache ist. Bevor ich mit meinem Lebensgefährten Klaus beruflich nach Rhodos ging, haben wir in München bei einer Studentin Griechischstunden genommen, was dann in Griechenland durch einen Privatlehrer fortgesetzt wurde. Ich wollte mich unbedingt mit den Mitarbeitern verständigen können.

Uwe Tomas: Hatten Sie in der Zeit des Dritten Reiches nie Angst „enttarnt“ zu werden? Oder haben Sie in diesen Jahren asexuell gelebt?

Erich Haas: In den Kriegsjahren war ich als Soldat im Einsatz bis ich wegen meiner Sprachkenntnisse in den diplomatischen Dienst wechselte. An der Front ist mir alles vergangen. Da hat niemand an Sex gedacht. Es war eine schwere Zeit, da war das kein Thema.

Uwe Tomas: Unseren Lesern ist die Bedrohung, Verfolgung und Ermordung, die die Homosexuellen unter dem Nazi-Regime erfahren haben, sehr gut bekannt, aber Sie haben als Zeitzeuge für das „Archiv der Erinnerungen“ bei der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld über Ihre Gefängnisaufenthalte unter Adenauer berichtet: Was ist da passiert?

Erich Haas: Nach einem Ausflug in den 50-er Jahren mit meinem Freund Klaus haben wir am Hauptbahnhof in München etwas gegessen und am Nebentisch saß ein hübscher junger Mann. Wir winkten ihn zu uns heran, er konnte aber leider kein deutsch. Ich fragte ihn nach seinem Namen und Alter, das er uns mit den Fingern als 21 mitteilte. Irgendwie radebrechend unterhielten wir uns, da er keine mir geläufige Sprache verstand. Im Spaß berührte ich ihn am Hosenstall und er ist aufgesprungen und zur Bahnhofspolizei gerannt. Ich wurde verhaftet, angeklagt und zum Glück vom Richter freigesprochen, nachdem ich ihm demonstrieren durfte, wie harmlos meine Berührung war. Im zweiten Fall wurde ein gemeinsamer Freund von Klaus und mir, der Soldat in Ingolstadt war und die Wochenenden bei uns in München verbrachte, bei einer Razzia im Münchner Pils 2000 verhaftet und verhört. Durch nicht näher erklärte Maßnahmen wurde er bei den Verhören der Polizei so unter Druck gesetzt, dass er auch aussagte, bei uns in München zu übernachten und mit uns zu schlafen. Da hatte ich eine Anklage am Hals, wurde inhaftiert, gegen Kaution entlassen und letztendlich gegen eine Geldstrafe entlassen. Leider hatte ich zu diesem Zeitpunkt bereits einen Arbeitsvertrag in einem der führenden Hotels der Schweiz und musste diesen durch meinen Anwalt unter dem Vorwand eines Autounfalls absagen. Die damalige Gesetzgebung hat mir großen finanziellen und beruflichen Schaden zugefügt.

Uwe Tomas: Ihre Erlebnisse mit amerikanischen Soldaten in München haben Sie mir bereits kurz in einem Vorgespräch erzählt. Warum war es einfacher und sicherer mit Amerikanern Kontakte aufzunehmen?

Erich Haas: Die Soldaten haben am 1. des Monats ihren Sold erhalten und haben diesen dann in wenigen Tagen mit Nutten durchgebracht. Dann sind sie spätestens Mitte des Monats durch die Schiller-und Goethestrasse geschlichen, konnten sich aber keine Mädchen mehr leisten. Ich habe dann gefragt: „What you are looking for?“ Die Antwort war: „Girls”. Meine nächste Frage: “Would you like to do it with men, too?” Antwort: “Why not”. Und so waren wir uns schnell einig und nahmen ein Taxi zu meiner Wohnung. Die Männer waren so höflich und sauber, sie schmeckten regelrecht nach Seife, trugen saubere, neue Wäsche und blieben über Nacht bis zu einem gemeinsamen Frühstück.

Uwe Tomas: Finde ich toll. Kam das oft vor?

Erich Haas: Ich könnte ein Zimmer mit diesen Männern füllen. Und auch in meinem 97. Lebensjahr freue ich mich weiterhin über „Hasenfutter“, wie Klaus die jungen Männer nannte. Und die Körperlichkeit gefällt mir noch heute. [Haas lächelt vielsagend.]

Uwe Tomas: Ich möchte gerne diese Erlebnisse, und natürlich auch die Ungerechtigkeiten, für LiSL Bayern dokumentieren und auch so einen Beitrag des „Nichtvergessens“ leisten. Dank Ihnen kann ich so Ihre Erfahrungen an unsere jungen Leser weitergeben. Wie sagten Sie in Ihrem Buch: Es gibt drei Phasen im Leben.

Erich Haas: Lernen, Können, Weitergeben. Das habe ich in meinem gesamten Berufsleben so gemacht und möchte alle meine Erfahrungen an die nachfolgende Generation weitergeben. Der Ausspruch stammt nicht von mir, sonder von Philip Rosenthal, dem Porzellanunternehmer, der gerne bei uns im Hotel Bayerischer Hof in München war und für den ich große Zuneigung und Bewunderung empfand.

Uwe Tomas: Ihre Zeit im Bayerischen Hof in München bei der Familie Volkhardt war für Sie und auch das Hotel eine prägende Zeit. Wir waren Anfang Januar zusammen im Gartenrestaurant des Bayerischen Hofes und haben Ihre alte Wirkungsstätte als Empfangschef besucht. Frau Innegrit Volkhardt hat uns sehr herzlich begrüßt und sich viel Zeit für ein persönliches Gespräch mit Ihnen genommen. Sie haben 1947 als Empfangschef zusammen mit Falk Volkhardt, dem Vater von Innegrit, und 10 Zimmern in einer Ruine begonnen und das Unternahmen 1960 verlassen als es 400 Zimmer hatte. In diesen Jahren haben Sie an diesem Drehkreuz zur Welt die berühmtesten Menschen getroffen und mit einigen Freundschaft geschlossen, die bis zu deren Tod gehalten hat. Viele dieser beeindruckenden Menschen finden sich im Buch „Begegnungen“, herausgegeben vom Bayerischen Hof und dort auch erhältlich, wieder. Dies und Ihre eigene Geschichte erzählen Sie ausführlich in Ihrem Buch „….eines Freundes Freund zu sein….“. Ich möchte es unseren Lesern unbedingt ans Herz legen. Ein großartiges Dokument Ihres Lebens und fast 100 Jahre Geschichte.

Kaiserin Soraya mit Erich Haas im Bayerischen Hof 1959.

Kaiserin Soraya mit Erich Haas im Bayerischen Hof 1959.

Erich Haas: Gerne denke ich an Theo Lingen zurück. Auch nach der Zeit als er und seine Frau Gäste im Hotel waren, sind wir in Verbindung geblieben und ich habe seine liebe Frau und Tochter, selbst Schauspielerin, noch lange nach seinem Tod zum Kaffee besucht. Bei einem seiner ersten Auftritte nach dem Krieg 1948 hat er mir seine Gage zur Verwahrung anvertraut, da wir noch keinen Tresor im Hotel hatten. So lag das viele Geld unter meinem Kopfkissen bis er es am nächsten Tag vor seiner Abreise wieder geholt hat. Spannend waren auch die Besuche von Kaiserin Soraya, die ihren Schmuck zwar bereits im Hotelsafe, da hatten wir dann 1956 schon einen, verwahrte, aber die Preziosen bei mir am Empfangstresen auswählte und probierte. Ich musste sie mit meinem Körper etwas vor den Blicken der anderen Gäste abschirmen. Es waren wirklich unvorstellbar wertvolle Juwelen in der Kassette. Danach ist sie nach Schwabing zum feiern losgezogen, nicht selten in selten zusammen mit Falk Volkhardt.

Klaus Linde mit Gregory Peck und David Niven bei den Dreharbeiten zu „Die Kanonen von Navarone“

Klaus Linde mit Gregory Peck und David Niven bei den Dreharbeiten zu „Die Kanonen von Navarone“

Uwe Tomas: Auf Rhodos haben Sie für ein Hotel der Familie Onassis als Direktor gearbeitet und hatten den Sommer über die Reederfamilie zu Gast. In dieser Zeit entstand auch der Film „Die Kanonen von Navarone“ mit Gregory Peck, David Niven und Irene Papas und eben Ihrem Lebensgefährten Klaus Linde. Wie kamen Sie dazu?

Erich Haas: Klaus war bereits in den Bavaria Filmstudios bekannt und als dann der Film in Griechenland gedreht werden sollte und wir auch dort in der Nähe waren, fiel die Wahl des Regisseurs auf Klaus. Zu den Dreharbeiten kam auch die Königsfamilie mit der heutigen Königin von Spanien, Sophia, und wir haben zusammen gegessen und eine schöne Zeit verbracht. Das war sehr beeindruckend.

Erich Haas, 2. von rechts, mit Herrn Schörghuber, Mitte, in Zypern bei Verhandlungen mit dem zypriotischen Staatspräsident Makarios 1967.

Erich Haas, 2. von rechts, mit Herrn Schörghuber, Mitte, in Zypern bei Verhandlungen mit dem zypriotischen Staatspräsident Makarios 1967.

Uwe Tomas: Ihre Zeit in München ab 1965 ging dann spektakulär weiter, als Sie zusammen mit Josef Schörghuber den Arabellapark planten und mit ihm bis zu seinem Tod 1995 zusammenarbeiteten. Hatten Ihre Chefs Verständnis für Ihre Lebensweise, das heißt, dass Sie mit einem Mann zusammenlebten?

Erich Haas: Meine gute Arbeit zählte. Meine Leistung hat jeden zum Schweigen gebracht.

Uwe Tomas: Also war es Herrn Volkhardt, Herrn Onassis und Herrn Schörghuber bekannt, dass Sie mit Klaus zusammenlebten?

Erich Haas: Ich habe es nicht thematisiert, aber auch kein Geheimnis daraus gemacht. Meine zweite große USA-Reise im Auftrag von Herrn Schörghuber als Recherche für die Planung des Arabellahotels habe ich zusammen mit Klaus unternommen und Herr Schörghuber hat dies selbstverständlich für 2 Personen bezahlt. Drei Wochen wurden mir als Urlaub verrechnet, die anderen 3 Wochen der Rundreise als Arbeitszeit. Aber er hat alle Flüge und Hotelrechnungen übernommen, für uns beide.

Uwe Tomas: Das ist ein richtig gutes Vorbild für heutige Unternehmen, die Diversity Management propagieren. Wie widersprüchlich diese Zeit auch war, einerseits waren Sie inhaftiert und andererseits so gut zusammen mit Klaus integriert und akzeptiert. Welchen Rat geben Sie der jungen Generation, wie soll diese mit ihrer Homosexualität umgehen?

Erich Haas: Absolut offen. Mit seinen Mitmenschen, Kollegen darüber kommunizieren. Ich habe es einfach gelebt. Still und selbstverständlich.

Uwe Tomas: Sie haben in Berlin auf der Magnus Hirschfeld Gala zwei junge Flüchtlinge kennen gelernt und ihre Ansprache gehört. Sie mussten wegen ihrer Veranlagung aus Syrien fliehen und hatten das Glück in Deutschland anzukommen und ihre Geschichte zu erzählen. Sind Sie der Meinung, dass wir auch Menschen, die wegen ihrer sexuellen Orientierung in Russland oder der Ukraine diskriminiert werden, aufnehmen sollen?

Erich Haas: Ja.

Uwe Tomas: Wie ich vor einigen Tagen erfahren habe, sind Sie auch mit Stephan Weiss, einem Offizier der Reserve und Enkel des bekannten Widerstandskämpfers der „Weißen Rose“ gegen Hitler, Professor Kurt Huber, gut bekannt. Stephan engagiert sich sehr für die Rechte homosexueller Soldaten und da stellt sich mir die Frage, wie sinnvoll es ist, für den Respekt gegenüber gleichgeschlechtlich liebenden Menschen von innen zu kämpfen, also als Mitglied dieser Macht, oder die Bundeswehr per se abzulehnen.

Erich Haas: Nein, es ist gut von innen etwas zu bewegen.

Uwe Tomas: Sind Sie gläubig?

Erich Haas: Ja, auf meine Art. Ich war evangelisch bis ich 1971 aus Rücksicht auf meine Mutter erst nach deren Tod ausgetreten bin. In einem 3-seitigen Brief an den Landesbischof habe ich mich erklärt. Seiner Einladung für eine Aussprache bin ich nicht gefolgt, da in meinem Brief alles gesagt war. Ein Grund war die Ablehnung der Ostverträge durch die Kirche. Das hat in meinen Augen den Frieden gefährdet. Nach dem Krieg habe ich mit meinen Eltern in Niederbayern gelebt und wir sollten wieder zurück nach Rumänien gebracht werden. Mein Vater hat den Bischof in Landshut besucht und um Hilfe gebeten, da eine Rückkehr nach Rumänien für mich der sichere Tod gewesen wäre. Ich wurde dort als Deserteur geführt, weil ich die Armee kurz vor Kriegsende ohne Erlaubnis verlassen hatte. Der Bischof hat auf uns so genannte Volksdeutschen geschimpft, wir wären für den Krieg und die Erfolge Hitlers verantwortlich usw.. Gerettet hat mich zu letzt eine amerikanische Soldatin, wohl eine Jüdin, die verstanden hat, wie gefährlich eine Ausweisung nach Rumänien für mich wäre und den Befehl sofort aufgehoben hat. Dann blieben wir erst mal in Niederbayern.

Uwe Tomas: Vielen Dank für die Einladung zu Ihnen nach Hause und die vielen Denkanstöße, die Sie mir und unseren Lesern vermittelt haben.

 

* Friedrich von Schiller, „An die Freude“ (1776).

LiSL Bayern im Interview mit Anne-Marie Sprotte – I Kissed A Girl… frei nach Katy Perry (2008, universal music)

Anne-Marie Sprotte (*8. August 1942). Foto: privat.

Anne-Marie Sprotte (*8. August 1942). Foto: privat.

Anne-Marie Sprotte (*8. August 1942) kam in Wien zur Welt, ist dann aber bald mit ihrer Familie nach München gezogen, wo sie seitdem wohnt. „Die sportliche Blonde aus München“ (Funk Uhr 1971) kündigte das ARD-Fernsehprogramm an, moderierte im Regionalprogramm die „Abendschau“, das „Bayernstudio“, den „Samstagsclub, den „Schlagerladen“ und „ARD-Nachtexpress“ neben vielen weiteren Auftritten bei Galas, Charity-Abenden und Modenschauen. Ihr Weg führte sie nach einer kaufmännischen Ausbildung über New York (Hostess bei der Weltausstellung 1965) nach Baden-Baden, wo sie aus 400 Bewerberinnen für den vakanten Posten in der Sprecherriege von Programmdirektor Günter Gaus ausgewählt wurde.

Auch ein Ausflug im die Filmschauspielerei zusammen mit ihrem damaligen Ehemann, dem Schauspieler Michael Cramer, mit dem Kinofilm „Ich denk’ mich tritt ein Pferd“ hat sie erfolgreich bestanden mit einer kleinen Rolle neben Uschi Glas.

Hochzeitsbild mit Michael Cramer. Die Ehe hielt bis 1975. Foto: privat.

Hochzeitsbild mit Michael Cramer. Die Ehe hielt bis 1975. Foto: privat.

Anne-Marie Sprotte ist das lebende „Who is Who“ von München: über jede und jeden hat sie etwas zu berichten und wird uns heute einige Anekdoten erzählen.

Zuletzt stand sie neben Bibi Johns und Johnny Logan Patin für eine Geschichte im Buch „Alles ist Liebe“ von Peter Zörner. Dieses Charity-Projekt hilft der Stiftung „s’Münchner Herz“ von Margot und Günter Steinberg, zu bestellen bei www.peter-zoerner.de oder per mail petzi1@t-online.de.

Anne-Marie Sprotte, die Fernsehansagerin - ein Poträt der Funk Uhr. Privatarchiv.at.

Anne-Marie Sprotte, die Fernsehansagerin – ein Poträt der Funk Uhr. Privatarchiv.

Uwe Tomas: Liebe Anne-Marie, Du hast mich und meinen Mann Peter immer so herzlich empfangen. Heute bin ich schon wieder in Deiner schönen, gemütlichen Wohnung zu Gast und Du willst uns diesmal mit ein paar „G’schichtn“ aus Deiner erfolgreichen Zeit beim BR (Bayerischer Rundfunk) unterhalten. Das freut unsere Mitglieder und Leser unserer website LiSL Bayern (www.lisl-bayern.de) und unserer facebook Seite sehr. Du lebst ganz ohne Computer und Smartphone. Wie informierst Du Dich über das Tagesgeschehen?

Anne-Marie Sprotte: Im Radio, gerne Bayern 5 aktuell. Schließlich habe ich durch meinen Beruf zu diesem Medium eine sehr enge Beziehung. Als Zeitung lese ich gerne die TZ. Serien, heute soaps genannt, meide ich tunlichst. Dagegen sehe ich regelmäßig die NDR Talkshow mit Giovanni di Lorenzo, Judith Rakers, Barbara Schöneberger und Hubertus Meyer-Burckhardt. Ein wirklich gutes Format, nicht dieses Überangebot an Informationen, die uns jeden Tag ereilen.

Uwe Tomas: Gerade heute haben mich wieder schlechte Nachrichten aus Slowenien erreicht. Dort wurde in einem von der Kirche initiierten Referendum über die Homo-Ehe abgestimmt. Kein gefälliges Wort, ich würde eher sagen, dass die Slowenen gegen eine rechtliche Gleichstellung gestimmt haben. Du kennst Peter und mich. Haben wir es verdient, in einem rechtlich sicheren Rahmen zu leben?

1964 in Italien, Anne-Marie in Diva-Pose: einfach traumhaft! Foto: privat.

1964 in Italien, Anne-Marie in Diva-Pose: einfach traumhaft! Foto: privat.

Anne-Marie Sprotte: Selbstverständlich! So übernimmt man gegenüber einem anderen Menschen Rechte und Pflichten. Diese Lebensform hat Anerkennung verdient, … und die Andersdenkenden können einem Wurscht sein. Die sind sowieso schwer zu überzeugen. Aber hier sind wir auf einem guten Weg.

Uwe Tomas: Ist denn Toleranz gegen diese „Nicht“-Toleranten möglich?

Anne-Marie Sprotte: Ja, aber lass es nicht zu, dass andere Dich leben. Das ist so mein Leitspruch gegen Fremdbestimmung und Bevormundung.

Uwe Tomas: Da soll auch allen anderen homosexuellen Menschen erlaubt sein. Gab es denn in Deiner Zeit beim Rundfunk schwule oder lesbische Kollegen? Waren diese geoutet oder sprach man nur über vorgehaltener Hand über sie?

Anne-Marie Sprotte: Ich habe immer schon ein gutes Gefühl für die sexuelle Orientierung meiner Mitmenschen und Kollegen gehabt. Bei einem Barbesuch in München in netter Runde mit Kollegen und Freunden hat mich einmal ganz unvermittelt eine junge Frau geküsst (Anmerkung der Redaktion: deshalb der Titel des Interviews „I Kissed A Girl“), und zum Tanzen aufgefordert. Da hat sie eine Watschn gekriegt. Das war mir schon sehr unangenehm, dieses Erlebnis mit einer Lesbe. Aber ich habe wirklich sehr nette schwule und lesbische Kollegen kennengelernt. Ramona Leis ist so ein wunderbarer Mensch, die ja übrigens auch mit einer Frau verheiratet ist und letztes Jahr den CSD in München moderiert hat.

Autogramm von Freddy Quinn für Anne-Marie Sprott. Privatarchiv.

Autogramm von Freddy Quinn für Anne-Marie Sprott. Privatarchiv.

Uwe Tomas: Aber der Song von Katy Perry „I Kissed A Girl“ ist schon super und wirbt für Toleranz. Und auch Freddy Quinn war Dir sehr sympathisch in Deiner Sendung im Juni ´71. Anderes Thema: Seit 11.11. haben wir Fasching. Ich muss Dir einfach den Karnevalswitz über die Fernsehansagerin erzählen, die beim Ankündigen des Abendprogramms sagte: „ Meine sehr verehrten Zuschauer, ich freue mich sehr, Ihnen heute, um 20 Uhr den Horrorklassiker „Das schwarze Loch“ anzusagen. Im Anschluss sehen Sie „Mainz, wie es singt und lacht“. (klingt gesprochen wie „meins, wie es singt und lacht“, Anm. d. Red.). Hast Du Humor?

Anne-Marie Sprotte: Ja. Und die Ansagerin kannte ich auch. Das war Ursula von Manescul und ist wirklich passiert und heute noch lustig.

Uwe Tomas: Musst Du auch haben, wenn Du mir ein Interview gibst. Was war denn Dein größter Versprecher im Fernsehen?

Anne-Marie Sprotte: Kurz vor meiner Ansage war ich noch in Riemerling Tennis spielen, kam recht abgehetzt beim Fernsehen an und habe dann „Jetzt folgt der Übelick“ gesagt. Es sollte heißen der „Überblick“ auf das Abendprogramm.

Uwe Tomas: Welchen Thema bzw. welche Nachricht hat Dich bei der Moderation emotional am meisten bewegt? Ein bestimmter Nachruf, eine schlimme Katastrophe?

Anne-Marie mit Fritz Hausmann bei der Sendung im  BR2 „Sport Stars Stereo“, die viele Jahre erfolgreich lief. Die Hörer sollten die Namen von Sportlern erraten, die in ihrem Privatleben vorgestellt werden, ohne ihre Sportart zu erwähnen. Foto: privat.

Anne-Marie mit Fritz Hausmann bei der Sendung im BR2 „Sport Stars Stereo“, die viele Jahre erfolgreich lief. Die Hörer sollten die Namen von Sportlern erraten, die in ihrem Privatleben vorgestellt werden, ohne ihre Sportart zu erwähnen. Foto: privat.

Anne-Marie Sprotte: Das weiß ich ganz genau. Ich war mit dem Verlesen der Nachrichten fast fertig als noch eine letzte Meldung zu mir gereicht wurde. „Peter Vogel ist gestorben“. Ich konnte dann Gott sei dank gleich raus, da es die letzte Nachricht war und musste mich übergeben. Peter war ein langjähriger und sehr lieber Freund, wir waren eine eingeschworene Clique zusammen mit Peter Kraus und es ging mir sehr nahe. Er war ja nicht krank und sein Tod war so ein Schock für mich.

Uwe Tomas: Das Jahr geht zu Ende , man resümiert. Hast Du Wünsche für die Zukunft?

Anne-Marie Sprotte: Keine.

Artikel der Funk Uhr über Anne-Marie Sprott und Günter Sachs, Januar 1971. Privatarchiv.

Artikel der Funk Uhr über Anne-Marie Sprott und Günter Sachs, Januar 1971. Privatarchiv.

Uwe Tomas: Nun noch ein paar Worte zu Deinen Gästen in der Sendung „Sport Stars Stereo“ und Begegnungen mit berühmten Menschen. Du wolltest Gunter Sachs im Januar 1971 verführen. Das war ja mal eine Zeitungsente, aber ein sehr lustiges Bild, das Du selbst mit „So ein Schmarrn“ kommentiert hast.

Liebe Anne-Marie, danke für das interessante Gespräch, weiterhin viel Glück und Gesundheit für Dich. Übrigens, Du bist schon seit 26 Jahren liiert, sogar mit einem Mann…

 

Alle Rechte & Copyright bei Anne-Marie Sprotte, Fotos aus privatem Archiv.

Der Aids-Teddy 2015

(c) Münchner Aids-Hilfe

(c) Münchner Aids-Hilfe

Die Liberalen Schwulen und Lesben (LiSL) Bayern nehmen auch dieses Jahr wieder am Aids-Teddy Verkauf am Weihnachtsmarkt am SendlingerTor teil. Mitglieder von LiSL und der LiSL-Vorstand mit Charlena Wirth und Uwe Tomas werden am Freitag, den 11. Dezember, ab 15.00 Uhr am Stand der Münchner Aids-Hilfe e.V. Teddys zu Gunsten des Vereins verkaufen. Wir freuen uns auf die Stadträte Dr. Michael Mattar (FDP) und Thomas Ranft (Piraten), die uns wie bereits im Vorjahr unterstützen werden.

Für weitere Überraschungen ist gesorgt.

Im Anschluss an den Verkauf ist die jährliche Weihnachtsfeier von LiSL Bayern in der Deutschen Eiche ab 19 Uhr geplant. Wir freuen uns über eine rege Teilnahme unserer Mitglieder und begrüßen auch gerne Interessierte. Bitte um Anmeldung über facebook/ LiSL Bayern oder direkt beim Vorstand für Presse und Öffentlichkeitsarbeit unter uwe.tomas@lisl-bayern.de.

Entspannter Brunch mit Sabine Leutheusser-Schnarrenberger

Brunch der Liberalen Schwulen und Lesben Bayern mit der Bundesministerin der Justiz a.D. Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (1. v. l.)

Brunch der Liberalen Schwulen und Lesben Bayern mit der Bundesministerin der Justiz a.D. Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (1.v.l), daneben v.l.n.r.: Manfred Krönauer, Mitglied des LiSL-Bundesvorstands, LiSL-Landesvorsitzende Charlena Wirth, ihr Stellvertreter für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Uwe Tomas.

Gemeinsam mit der Bundesjustizministerin a.D. Sabine Leutheusser-Schnarrenberger brunchten die Mitglieder und Freunde der Liberalen Schwulen und Lesben (LiSL) Bayern am 21. Juni 2015 im Münchner Café ELLA.

Sie stellte uns dabei den neu gegründeten Förderkreis der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld e.V. (BMH) vor. Dieser hat es sich zum Ziel gesetzt, neben den Bundesmitteln die Arbeit der Stiftung weiter finanziell zu unterfüttern. Zahlreiche teilweise prominente Mitglieder konnten schon gewonnen werden. Damit erhält die BMH nicht nur breitere Möglichkeiten für die eigene Arbeit, sondern auch einen noch größeren Bekanntheitsgrad.

Brunch der Liberalen Schwulen und Lesben Bayern mit der Bundesministerin der Justiz a.D. Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (1. v. l.)

Brunch der Liberalen Schwulen und Lesben Bayern mit der Bundesministerin der Justiz a.D. Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (1.v.l), daneben v.l.n.r.: Manfred Krönauer, Mitglied des LiSL-Bundesvorstands, LiSL-Landesvorsitzende Charlena Wirth, ihr Stellvertreter für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Uwe Tomas.

Im Anschluss an das hochinteressante Gespräche hatten die Anwesenden noch die Gelegenheit, mit Frau Leutheusser-Schnarrenberger sowie mit Charlena Wirth, der Landesvorsitzenden der LiSL Bayern und dem Stadtrat Dr. Michael Mattar (Fraktionsvorsitzender von FDP-Piraten-HUT im Münchner Stadtrat) über verschiedene gesellschaftspolitische Themen zu diskutieren, insbesondere natürlich aus dem schwul-lesbisch-trans* Bereich, was zahlreich genutzt worden sind. Wir danken für das große Interesse und freuen uns auf den nächsten Treffen!

Bunt, Bunter, Liberal – LiSL auf dem Münchner CSD 2015

Unser liberaler CSD-Stand in der Rosenstrasse.

Unser liberaler CSD-Stand in der Rosenstrasse.

Wieder ein eindrucksvolles Event mitten in München am Marienplatz und in der Rosenstrasse: ein gut besuchter und exzellent besetzter FDP- und LiSL- Info-Stand. Dank sei an dieser Stelle an all die fleißigen Helfer für den Aufbau und die (wo)manpower am Samstag und Sonntag gerichtet, die für einen ständig gut besetzten Stand sorgten!

Dieses Jahr waren die Reden von Dr. Michael Mattar (Stadtrat der FTB-Fraktion und LiSL-Landesvorstandsmitglied) und überraschenderweise auch von Josef Schmid, 2. Bürgermeister, die sich beide für die Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Paare einsetzten, beeindruckend. Ein notwendiger Seitenhieb auf die verfehlte Politik des Herrn Seehofer erfolgte nicht nur von Thomas Niederbühl, sondern eben auch aus eigenen Reihen von Josef Schmid, sowie von Christian Vorländer (SPD). Schmids Rede wurde noch vielfach in facebook gelobt und geteilt, so unter anderem von Dr. Evelyne Menges, auch CSU.

Gabriele Neff (Stadträtin der FTB-Fraktion) und Uwe Tomas (Vorstand für Presse und Öffentlichkeitsarbeit bei LiSl Bayern) bei den CSD-Vorbereitungen im Rathaus.

Gabriele Neff (Stadträtin der FTB-Fraktion) und Uwe Tomas (Vorstand für Presse und Öffentlichkeitsarbeit bei LiSl Bayern) bei den CSD-Vorbereitungen im Rathaus.

"Musik läuft!" Unser DJ Max Gawlik, auf dem liberalen CSD-Wagen 2015, ist guter Dinge.

„Musik läuft!“ Unser DJ Max Gawlik, auf dem liberalen CSD-Wagen 2015, ist guter Dinge.

Ruth Megary, die unverwüstliche Entertainerin, superfit mit ihren 93 Jahren, im Vorgespräch mit Uwe Tomas (LiSL-Landespressesprecher). Ein toller Auftritt dieser großen Dame des Showbiz beim CSD.

Ruth Megary, die unverwüstliche Entertainerin, superfit mit ihren 93 Jahren, im Vorgespräch mit Uwe Tomas (LiSL-Landespressesprecher). Ein toller Auftritt dieser großen Dame des Showbiz beim CSD.

Dr. Michael Mattar (Stadtrat der FTB-Fraktion und LiSL-Landesvorstandsmitlgied) bei der CSD-Eröffnungsrede auf der Bühne am Marienplatz.

Dr. Michael Mattar (Stadtrat der FTB-Fraktion und LiSL-Landesvorstandsmitlgied) bei der CSD-Eröffnungsrede auf der Bühne am Marienplatz.

Josef Schmid (CSU) bei seiner Rede auf dem Münchner CSD 2015.

Josef Schmid (CSU) bei seiner Rede auf dem Münchner CSD 2015.

Die Schwuhplattler sorgten auch 2015 auf dem Münchner Marienplatz zum CSD wieder für Stimmung!

Die Schwuhplattler sorgten auch 2015 auf dem Münchner Marienplatz zum CSD wieder für Stimmung!

Unser liberaler CSD-Stand in der Rosenstrasse.

Unser liberaler CSD-Stand in der Rosenstrasse.