LiSL Bayern im Interview mit Anne-Marie Sprotte – I Kissed A Girl… frei nach Katy Perry (2008, universal music)

Anne-Marie Sprotte (*8. August 1942). Foto: privat.

Anne-Marie Sprotte (*8. August 1942). Foto: privat.

Anne-Marie Sprotte (*8. August 1942) kam in Wien zur Welt, ist dann aber bald mit ihrer Familie nach München gezogen, wo sie seitdem wohnt. „Die sportliche Blonde aus München“ (Funk Uhr 1971) kündigte das ARD-Fernsehprogramm an, moderierte im Regionalprogramm die „Abendschau“, das „Bayernstudio“, den „Samstagsclub, den „Schlagerladen“ und „ARD-Nachtexpress“ neben vielen weiteren Auftritten bei Galas, Charity-Abenden und Modenschauen. Ihr Weg führte sie nach einer kaufmännischen Ausbildung über New York (Hostess bei der Weltausstellung 1965) nach Baden-Baden, wo sie aus 400 Bewerberinnen für den vakanten Posten in der Sprecherriege von Programmdirektor Günter Gaus ausgewählt wurde.

Auch ein Ausflug im die Filmschauspielerei zusammen mit ihrem damaligen Ehemann, dem Schauspieler Michael Cramer, mit dem Kinofilm „Ich denk’ mich tritt ein Pferd“ hat sie erfolgreich bestanden mit einer kleinen Rolle neben Uschi Glas.

Hochzeitsbild mit Michael Cramer. Die Ehe hielt bis 1975. Foto: privat.

Hochzeitsbild mit Michael Cramer. Die Ehe hielt bis 1975. Foto: privat.

Anne-Marie Sprotte ist das lebende „Who is Who“ von München: über jede und jeden hat sie etwas zu berichten und wird uns heute einige Anekdoten erzählen.

Zuletzt stand sie neben Bibi Johns und Johnny Logan Patin für eine Geschichte im Buch „Alles ist Liebe“ von Peter Zörner. Dieses Charity-Projekt hilft der Stiftung „s’Münchner Herz“ von Margot und Günter Steinberg, zu bestellen bei www.peter-zoerner.de oder per mail petzi1@t-online.de.

Anne-Marie Sprotte, die Fernsehansagerin - ein Poträt der Funk Uhr. Privatarchiv.at.

Anne-Marie Sprotte, die Fernsehansagerin – ein Poträt der Funk Uhr. Privatarchiv.

Uwe Tomas: Liebe Anne-Marie, Du hast mich und meinen Mann Peter immer so herzlich empfangen. Heute bin ich schon wieder in Deiner schönen, gemütlichen Wohnung zu Gast und Du willst uns diesmal mit ein paar „G’schichtn“ aus Deiner erfolgreichen Zeit beim BR (Bayerischer Rundfunk) unterhalten. Das freut unsere Mitglieder und Leser unserer website LiSL Bayern (www.lisl-bayern.de) und unserer facebook Seite sehr. Du lebst ganz ohne Computer und Smartphone. Wie informierst Du Dich über das Tagesgeschehen?

Anne-Marie Sprotte: Im Radio, gerne Bayern 5 aktuell. Schließlich habe ich durch meinen Beruf zu diesem Medium eine sehr enge Beziehung. Als Zeitung lese ich gerne die TZ. Serien, heute soaps genannt, meide ich tunlichst. Dagegen sehe ich regelmäßig die NDR Talkshow mit Giovanni di Lorenzo, Judith Rakers, Barbara Schöneberger und Hubertus Meyer-Burckhardt. Ein wirklich gutes Format, nicht dieses Überangebot an Informationen, die uns jeden Tag ereilen.

Uwe Tomas: Gerade heute haben mich wieder schlechte Nachrichten aus Slowenien erreicht. Dort wurde in einem von der Kirche initiierten Referendum über die Homo-Ehe abgestimmt. Kein gefälliges Wort, ich würde eher sagen, dass die Slowenen gegen eine rechtliche Gleichstellung gestimmt haben. Du kennst Peter und mich. Haben wir es verdient, in einem rechtlich sicheren Rahmen zu leben?

1964 in Italien, Anne-Marie in Diva-Pose: einfach traumhaft! Foto: privat.

1964 in Italien, Anne-Marie in Diva-Pose: einfach traumhaft! Foto: privat.

Anne-Marie Sprotte: Selbstverständlich! So übernimmt man gegenüber einem anderen Menschen Rechte und Pflichten. Diese Lebensform hat Anerkennung verdient, … und die Andersdenkenden können einem Wurscht sein. Die sind sowieso schwer zu überzeugen. Aber hier sind wir auf einem guten Weg.

Uwe Tomas: Ist denn Toleranz gegen diese „Nicht“-Toleranten möglich?

Anne-Marie Sprotte: Ja, aber lass es nicht zu, dass andere Dich leben. Das ist so mein Leitspruch gegen Fremdbestimmung und Bevormundung.

Uwe Tomas: Da soll auch allen anderen homosexuellen Menschen erlaubt sein. Gab es denn in Deiner Zeit beim Rundfunk schwule oder lesbische Kollegen? Waren diese geoutet oder sprach man nur über vorgehaltener Hand über sie?

Anne-Marie Sprotte: Ich habe immer schon ein gutes Gefühl für die sexuelle Orientierung meiner Mitmenschen und Kollegen gehabt. Bei einem Barbesuch in München in netter Runde mit Kollegen und Freunden hat mich einmal ganz unvermittelt eine junge Frau geküsst (Anmerkung der Redaktion: deshalb der Titel des Interviews „I Kissed A Girl“), und zum Tanzen aufgefordert. Da hat sie eine Watschn gekriegt. Das war mir schon sehr unangenehm, dieses Erlebnis mit einer Lesbe. Aber ich habe wirklich sehr nette schwule und lesbische Kollegen kennengelernt. Ramona Leis ist so ein wunderbarer Mensch, die ja übrigens auch mit einer Frau verheiratet ist und letztes Jahr den CSD in München moderiert hat.

Autogramm von Freddy Quinn für Anne-Marie Sprott. Privatarchiv.

Autogramm von Freddy Quinn für Anne-Marie Sprott. Privatarchiv.

Uwe Tomas: Aber der Song von Katy Perry „I Kissed A Girl“ ist schon super und wirbt für Toleranz. Und auch Freddy Quinn war Dir sehr sympathisch in Deiner Sendung im Juni ´71. Anderes Thema: Seit 11.11. haben wir Fasching. Ich muss Dir einfach den Karnevalswitz über die Fernsehansagerin erzählen, die beim Ankündigen des Abendprogramms sagte: „ Meine sehr verehrten Zuschauer, ich freue mich sehr, Ihnen heute, um 20 Uhr den Horrorklassiker „Das schwarze Loch“ anzusagen. Im Anschluss sehen Sie „Mainz, wie es singt und lacht“. (klingt gesprochen wie „meins, wie es singt und lacht“, Anm. d. Red.). Hast Du Humor?

Anne-Marie Sprotte: Ja. Und die Ansagerin kannte ich auch. Das war Ursula von Manescul und ist wirklich passiert und heute noch lustig.

Uwe Tomas: Musst Du auch haben, wenn Du mir ein Interview gibst. Was war denn Dein größter Versprecher im Fernsehen?

Anne-Marie Sprotte: Kurz vor meiner Ansage war ich noch in Riemerling Tennis spielen, kam recht abgehetzt beim Fernsehen an und habe dann „Jetzt folgt der Übelick“ gesagt. Es sollte heißen der „Überblick“ auf das Abendprogramm.

Uwe Tomas: Welchen Thema bzw. welche Nachricht hat Dich bei der Moderation emotional am meisten bewegt? Ein bestimmter Nachruf, eine schlimme Katastrophe?

Anne-Marie mit Fritz Hausmann bei der Sendung im  BR2 „Sport Stars Stereo“, die viele Jahre erfolgreich lief. Die Hörer sollten die Namen von Sportlern erraten, die in ihrem Privatleben vorgestellt werden, ohne ihre Sportart zu erwähnen. Foto: privat.

Anne-Marie mit Fritz Hausmann bei der Sendung im BR2 „Sport Stars Stereo“, die viele Jahre erfolgreich lief. Die Hörer sollten die Namen von Sportlern erraten, die in ihrem Privatleben vorgestellt werden, ohne ihre Sportart zu erwähnen. Foto: privat.

Anne-Marie Sprotte: Das weiß ich ganz genau. Ich war mit dem Verlesen der Nachrichten fast fertig als noch eine letzte Meldung zu mir gereicht wurde. „Peter Vogel ist gestorben“. Ich konnte dann Gott sei dank gleich raus, da es die letzte Nachricht war und musste mich übergeben. Peter war ein langjähriger und sehr lieber Freund, wir waren eine eingeschworene Clique zusammen mit Peter Kraus und es ging mir sehr nahe. Er war ja nicht krank und sein Tod war so ein Schock für mich.

Uwe Tomas: Das Jahr geht zu Ende , man resümiert. Hast Du Wünsche für die Zukunft?

Anne-Marie Sprotte: Keine.

Artikel der Funk Uhr über Anne-Marie Sprott und Günter Sachs, Januar 1971. Privatarchiv.

Artikel der Funk Uhr über Anne-Marie Sprott und Günter Sachs, Januar 1971. Privatarchiv.

Uwe Tomas: Nun noch ein paar Worte zu Deinen Gästen in der Sendung „Sport Stars Stereo“ und Begegnungen mit berühmten Menschen. Du wolltest Gunter Sachs im Januar 1971 verführen. Das war ja mal eine Zeitungsente, aber ein sehr lustiges Bild, das Du selbst mit „So ein Schmarrn“ kommentiert hast.

Liebe Anne-Marie, danke für das interessante Gespräch, weiterhin viel Glück und Gesundheit für Dich. Übrigens, Du bist schon seit 26 Jahren liiert, sogar mit einem Mann…

 

Alle Rechte & Copyright bei Anne-Marie Sprotte, Fotos aus privatem Archiv.

Der Aids-Teddy 2015

(c) Münchner Aids-Hilfe

(c) Münchner Aids-Hilfe

Die Liberalen Schwulen und Lesben (LiSL) Bayern nehmen auch dieses Jahr wieder am Aids-Teddy Verkauf am Weihnachtsmarkt am SendlingerTor teil. Mitglieder von LiSL und der LiSL-Vorstand mit Charlena Wirth und Uwe Tomas werden am Freitag, den 11. Dezember, ab 15.00 Uhr am Stand der Münchner Aids-Hilfe e.V. Teddys zu Gunsten des Vereins verkaufen. Wir freuen uns auf die Stadträte Dr. Michael Mattar (FDP) und Thomas Ranft (Piraten), die uns wie bereits im Vorjahr unterstützen werden.

Für weitere Überraschungen ist gesorgt.

Im Anschluss an den Verkauf ist die jährliche Weihnachtsfeier von LiSL Bayern in der Deutschen Eiche ab 19 Uhr geplant. Wir freuen uns über eine rege Teilnahme unserer Mitglieder und begrüßen auch gerne Interessierte. Bitte um Anmeldung über facebook/ LiSL Bayern oder direkt beim Vorstand für Presse und Öffentlichkeitsarbeit unter uwe.tomas@lisl-bayern.de.

Entspannter Brunch mit Sabine Leutheusser-Schnarrenberger

Brunch der Liberalen Schwulen und Lesben Bayern mit der Bundesministerin der Justiz a.D. Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (1. v. l.)

Brunch der Liberalen Schwulen und Lesben Bayern mit der Bundesministerin der Justiz a.D. Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (1.v.l), daneben v.l.n.r.: Manfred Krönauer, Mitglied des LiSL-Bundesvorstands, LiSL-Landesvorsitzende Charlena Wirth, ihr Stellvertreter für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Uwe Tomas.

Gemeinsam mit der Bundesjustizministerin a.D. Sabine Leutheusser-Schnarrenberger brunchten die Mitglieder und Freunde der Liberalen Schwulen und Lesben (LiSL) Bayern am 21. Juni 2015 im Münchner Café ELLA.

Sie stellte uns dabei den neu gegründeten Förderkreis der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld e.V. (BMH) vor. Dieser hat es sich zum Ziel gesetzt, neben den Bundesmitteln die Arbeit der Stiftung weiter finanziell zu unterfüttern. Zahlreiche teilweise prominente Mitglieder konnten schon gewonnen werden. Damit erhält die BMH nicht nur breitere Möglichkeiten für die eigene Arbeit, sondern auch einen noch größeren Bekanntheitsgrad.

Brunch der Liberalen Schwulen und Lesben Bayern mit der Bundesministerin der Justiz a.D. Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (1. v. l.)

Brunch der Liberalen Schwulen und Lesben Bayern mit der Bundesministerin der Justiz a.D. Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (1.v.l), daneben v.l.n.r.: Manfred Krönauer, Mitglied des LiSL-Bundesvorstands, LiSL-Landesvorsitzende Charlena Wirth, ihr Stellvertreter für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Uwe Tomas.

Im Anschluss an das hochinteressante Gespräche hatten die Anwesenden noch die Gelegenheit, mit Frau Leutheusser-Schnarrenberger sowie mit Charlena Wirth, der Landesvorsitzenden der LiSL Bayern und dem Stadtrat Dr. Michael Mattar (Fraktionsvorsitzender von FDP-Piraten-HUT im Münchner Stadtrat) über verschiedene gesellschaftspolitische Themen zu diskutieren, insbesondere natürlich aus dem schwul-lesbisch-trans* Bereich, was zahlreich genutzt worden sind. Wir danken für das große Interesse und freuen uns auf den nächsten Treffen!

Bunt, Bunter, Liberal – LiSL auf dem Münchner CSD 2015

Unser liberaler CSD-Stand in der Rosenstrasse.

Unser liberaler CSD-Stand in der Rosenstrasse.

Wieder ein eindrucksvolles Event mitten in München am Marienplatz und in der Rosenstrasse: ein gut besuchter und exzellent besetzter FDP- und LiSL- Info-Stand. Dank sei an dieser Stelle an all die fleißigen Helfer für den Aufbau und die (wo)manpower am Samstag und Sonntag gerichtet, die für einen ständig gut besetzten Stand sorgten!

Dieses Jahr waren die Reden von Dr. Michael Mattar (Stadtrat der FTB-Fraktion und LiSL-Landesvorstandsmitglied) und überraschenderweise auch von Josef Schmid, 2. Bürgermeister, die sich beide für die Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Paare einsetzten, beeindruckend. Ein notwendiger Seitenhieb auf die verfehlte Politik des Herrn Seehofer erfolgte nicht nur von Thomas Niederbühl, sondern eben auch aus eigenen Reihen von Josef Schmid, sowie von Christian Vorländer (SPD). Schmids Rede wurde noch vielfach in facebook gelobt und geteilt, so unter anderem von Dr. Evelyne Menges, auch CSU.

Gabriele Neff (Stadträtin der FTB-Fraktion) und Uwe Tomas (Vorstand für Presse und Öffentlichkeitsarbeit bei LiSl Bayern) bei den CSD-Vorbereitungen im Rathaus.

Gabriele Neff (Stadträtin der FTB-Fraktion) und Uwe Tomas (Vorstand für Presse und Öffentlichkeitsarbeit bei LiSl Bayern) bei den CSD-Vorbereitungen im Rathaus.

"Musik läuft!" Unser DJ Max Gawlik, auf dem liberalen CSD-Wagen 2015, ist guter Dinge.

„Musik läuft!“ Unser DJ Max Gawlik, auf dem liberalen CSD-Wagen 2015, ist guter Dinge.

Ruth Megary, die unverwüstliche Entertainerin, superfit mit ihren 93 Jahren, im Vorgespräch mit Uwe Tomas (LiSL-Landespressesprecher). Ein toller Auftritt dieser großen Dame des Showbiz beim CSD.

Ruth Megary, die unverwüstliche Entertainerin, superfit mit ihren 93 Jahren, im Vorgespräch mit Uwe Tomas (LiSL-Landespressesprecher). Ein toller Auftritt dieser großen Dame des Showbiz beim CSD.

Dr. Michael Mattar (Stadtrat der FTB-Fraktion und LiSL-Landesvorstandsmitlgied) bei der CSD-Eröffnungsrede auf der Bühne am Marienplatz.

Dr. Michael Mattar (Stadtrat der FTB-Fraktion und LiSL-Landesvorstandsmitlgied) bei der CSD-Eröffnungsrede auf der Bühne am Marienplatz.

Josef Schmid (CSU) bei seiner Rede auf dem Münchner CSD 2015.

Josef Schmid (CSU) bei seiner Rede auf dem Münchner CSD 2015.

Die Schwuhplattler sorgten auch 2015 auf dem Münchner Marienplatz zum CSD wieder für Stimmung!

Die Schwuhplattler sorgten auch 2015 auf dem Münchner Marienplatz zum CSD wieder für Stimmung!

Unser liberaler CSD-Stand in der Rosenstrasse.

Unser liberaler CSD-Stand in der Rosenstrasse.

LiSL Bayern im Interview mit Albert Duin

Albert Duin, Landesvorsitzender der Freien Demokraten Bayern, im Interview

Albert Duin, Landesvorsitzender der Freien Demokraten Bayern, im Interview

LiSL Bayern hatte in Form unseres stellvertretenden Landesvorsitzenden für Presse und Öffentlichkeitsarbeit, Uwe Tomas, die Gelegenheit, mit Albert Duin, dem Landesvorsitzenden der Freien Demokraten Bayern in seinem Büro zu sprechen.

Dabei standen folgende Themen im Mittelpunkt:
-Öffnung der Ehe für alle Arten der Partnerschaft
-Sorgerechtserweiterung auf mehr als 2 Elternteile
-Diversity Management
-Asylrecht für Verfolgte auf Grund ihrer sexuellen Orientierung

Uwe Tomas: Lieber Albert, herzlichen Dank für die Einladung in Deine Firma Induktor GmbH zu diesem Gespräch. Wir haben ja schon in Berlin begonnen, über einige Belange der Liberalen Schwulen und Lesben in Bayern, kurz LiSL Bayern, zu sprechen. Wir fragen uns, z.B. wie es in Deiner Firma Diversity Management aussieht?

Albert Duin: Ich bin sehr dankbar, wenn sich in meiner Firma ein Mitarbeiter outet, egal ob religiös, politisch oder bezüglich seiner sexuellen Orientierung. Dann können wir alle unbefangen, fröhlich und neugierig damit umgehen. So entsteht Akzeptanz, die wir hier alle wirklich leben.

Uwe Tomas: Asyl, Asylmissbrauch, Prüfung der Asylgründe: Immer wieder hört man Stimmen, wie denn der Asylantrag für Verfolgte wegen deren sexueller Orientierung geprüft werden kann, ob denn die Gründe wirklich stimmen.

Albert Duin: Es gibt drei gute Gründe für die Flucht nach Deutschland: politische Verfolgung, wirtschaftliche Not und ethnische Verfolgung wie die Bedrohung Homosexueller. Bei allen Gruppen steht erstmal das Vertrauen im Vordergrund, das der deutsche Staat diesen Menschen entgegenbringt. Wir glauben diesen Menschen und nehmen sie auf. Selbstverständlich sind wir von den Liberalen gegen diskriminierende Tests zur Feststellung der sexuellen Orientierung.

Uwe Tomas: Die Außenpolitik unter Guido Westerwelle wurde auch unter dem Aspekt der Akzeptanz für gleichgeschlechtliche Lebensformen gestaltet. Auslandsreisen in Begleitung seines Mannes sorgten unter anderem in Saudi Arabien für Proteste. Wie stehst Du dazu?

Albert Duin: Ja, ich dachte mir da gleich, muss das sein?! Er ist Diplomat und soll die Gepflogenheiten in anderen Ländern achten, auf keinen Fall provozieren. Auch nicht verstecken, aber eben keine falsche Hoffnung bei den dort lebenden Homosexuellen wecken. Seine Neigungen verstecken aber eben auch nicht, das ist leider durch die Presse gegangen, damit kokettieren. Er war als Außenminister dort und nicht als Schwulenbeauftragter.

Uwe Tomas: Moment, er hat in meinen Augen nicht provoziert. Das wäre der Fall, hätte er mit Herrn Mronz Händchen gehalten oder sie hätten sich innig in der Öffentlichkeit geküsst. So hat er nur Normalität vorgeführt. Nicht zu vergessen, dass in den meisten islamistischen Staaten noch die Todesstrafe für Homosexualität gilt.

Albert Duin: Dagegen muss unbedingt politisch, und im Extremfall auch wirtschaftlich, vorgegangen werden, aber immer mit Augenmaß.

Uwe Tomas, LiSL Bayern, und Albert Duin, FDP Bayern

Uwe Tomas, LiSL Bayern, und Albert Duin, FDP Bayern

Uwe Tomas: Hast Du schwule Identifikationsfiguren ? Welche?

Albert Duin: Nein. Ich bin erst so richtig mit dieser Problemstellung bei meiner Arbeit in der FDP konfrontiert worden und habe mir früher nicht viele Gedanken darüber gemacht. Ja klar, in einem Studentenwohnheim gab es einige Schwule, aber da hatte ich kaum Berührung vor vielen Jahren.

Uwe Tomas: Im Sport ist es sehr schwer sich zu outen. Fasziniert Dich mehr der schüchterne Thomas Hitzlsperger oder der Heterohengst Franz Beckenbauer, der seine Frau alle 10 Jahre gegen ein jüngeres Modell eintauscht?

Albert Duin: Ich bin überzeugter Chauvinist und lebe das auch aus. Früher musste sich die Frau zwischen  Familie und Beruf entscheiden. Gegen dieses „oder“ ist heute ein „und“ gekommen. Es muss beides gehen, was zur Teilzeitarbeit führt. Ein kompletter Rollentausch zwischen Mann und Frau kann ich mir zwar vorstellen, kommt für mich aber nicht in Frage. Ebenso habe ich keine Lust, mir durch Geld und Einfluss wie Herr Beckenbauer Frauen zu besorgen. Eine emanzipierte Frau ist mir wichtig.

Uwe Tomas: Wie siehst Du Conchita Wurst, die Gewinnerin des ESC 2014? Als schwuler Mann, als weibliche Diva?

Albert Duin: Als schwuler Mann, der sich verkleidet.

Uwe Tomas: Und ihre Botschaft? Für Toleranz gegenüber allen Menschen, egal wie sie leben, wie sie sich kleiden und wen sie lieben?

Albert Duin: Das ist ein sehr wichtiges Anliegen und eine große Aufgabe, kommt bei mir aber nicht als Werbeträger an. Für mich einfach zu viel Mainstream und zu wenig Message.

Uwe Tomas: Kultur in München. Rainer Werner Fassbinder wird in München zu seinem 70. Geburtstag nicht sonderlich geehrt. Hat da Herr Dr. Heubisch, Kulturstaatsminister a.D. und Stadtrat der FDP, etwas versäumt?

Albert Duin: War der schwul? Mensch bin ich blind.

Uwe Tomas: Rainer Werner Fassbinder schon. Dr. Heubisch hat ja bereits das zweite Mal eine Frau geheiratet. Der ist sicher nicht schwul.

Albert Duin: Oh, da fällt mir eine kleine Geschichte ein: Ich habe Wolfgang (Dr. Heubisch, Anm. d. Red.) vor seiner zweiten Heirat mit seiner zukünftigen Frau getroffen. „Also Wolfgang, Du hast wirklich Geschmack, was die Wahl Deiner Frauen betrifft, so hübsch und jung, einfach toll. Aber Sie, gnädige Frau, weniger.“

Uwe Tomas: Hat München in der Kultur, auch Subkultur, etwas verpasst, wie eben die Ehrungen für Rainer Werner Fassbinder?

Albert Duin: Ja, da hätte der Stadtrat mehr tun können, jetzt frage mich aber nicht, was. Ich bin einfach zu wenig in der Szene.

Albert Duin, FDP Bayern, mit Uwe Tomas, LiSL Bayern

Albert Duin, FDP Bayern, mit Uwe Tomas, LiSL Bayern

Uwe Tomas: Zum  CSD 2015 wird die FDP wieder einen Wagen bereitstellen, Werbematerial zur Verfügung stellen und sich positiv und engagiert in der Community präsentieren. Dank an die vielen ehrenamtlichen Helfer, die finanzielle Unterstützung der Kreisverbände und an unseren Stadtrat Dr. Michael Mattar. Aber zurück zu Dir, Albert: Was machst Du kulturell gerne?

Albert Duin: Lesen, am liebsten Biographien. Beeindruckend fand ich die Biographie über Wilhelm Röntgen. Ein Mann, der seine Ziele konsequent verfolgte. Nachdem er in Deutschland mangels eines Abiturs nicht studieren durfte, hat er dies in der Schweiz getan und wurde später an der LMU (Ludwig-Maximilian-Universität, Anm. d. Red.)  Dekan. Seine größte Erfindung, den Röntgenapparat, hat er bewusst nicht patentieren lassen, um ihn so allen Menschen schnell und kostengünstig zugänglich zu machen. Respekt vor so viel Altruismus.

Uwe Tomas: Frauenquote in der FDP: Wie viele weibliche Mitglieder hat die FDP?

Albert Duin: 23 % der Mitglieder sind Frauen. Auch im Präsidium sind Frauen gut vertreten. Das haben sie durch eigene Kraft geschafft und nicht wegen irgendeiner Quote. Frauen sind meistens viel zu nachgiebig in ihren berechtigten Forderungen und Wünschen.

Uwe Tomas: Danke, lieber Albert, für das ehrliche Gespräch und Deine interessanten Antworten. Wir von LiSL Bayern wünschen Dir für Deine politische Arbeit als Landesvorsitzender weiterhin viel Erfolg. Ich bin mir sicher, dass unsere Anliegen, die der schwulen Community, bei Dir in guten Händen sind und wir uns weiterhin austauschen werden.

Im Anschluss durfte ich mit den Mitarbeitern der Firma Induktor GmbH am monatlichen Weisswurstessen teilnehmen und habe die gute Stimmung unter den Mitarbeitern und gegenüber Ihrem Chef erleben können.