RON WILLIAMS im GESPRÄCH mit LiSL Bayern

RON WILLIAMS: Interview am 15. April 2017 vor der Show „MOTOWN“ im Prinzregententheater mit Uwe Tomas von LiSL Bayern für facebook/ LiSL Bayern, LiSL Deutschland und die websites www.lisl-bayern.de  und www.lisl-deutschland.de.

18:00 Uhr im Restaurant Prinzipal, Ron wartet schon an einem ruhigen Ecktisch auf mich, wir freuen uns über das Wiedersehen nach fast 2 Jahren. Bei Abi Ofarim in seinem Verein „Kinder von gestern“, www.kvg-ev.de ,haben wir uns kennengelernt. Er hat damals eine Gala zu Gunsten des Vereins vorbereitet, an der auch Katja Ebstein, Claudia Sommer und Alexander Mazza beteiligt waren.

Claudia Sommer mit Uwe Tomas 2017 auf Schloss Elmau

Uwe Tomas am LiSL-Bayern

Ich erzähle Ron von meinen Aufgaben bei LiSL Bayern und meiner Arbeit als Vorstand für Presse und Öffentlichkeitsarbeit.

 

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Alexander Mazza mit Uwe Tomas (2015), Bild oben, Ruth Megary mit Abi Ofarim und Uwe Tomas (2015), Bild unten.

Katja Ebstein mit Uwe Tomas

 

Aber schon erregt er sich über die Schließung der privaten Universität des US-Milliardärs Soros in Budapest. Wirklich ein Skandal und ein massiver Eingriff in die freie Bildung. Vor 3 Wochen habe ich mich selbst in Budapest umgesehen, war am Nationalfeiertag beim Parlament, habe das Defilée zu Ehren Orbans gesehen. Leider war für ein Gespräch das Helsinki Komitee nicht verfügbar, zu gerne hätte LiSL Bayern Kontakt aufgenommen um sich über die Situation der Flüchtlinge zu informieren.

Unser Budapestbesuch 2017 im März, im Hintergrund die Fischerbastei.

 

Ron kam 1961 als GI nach Deutschland ist bis heute geblieben. Es war Neugier, warum er sich für Deutschland entschieden hat. Bereits während seiner High School Zeit hat er sich für deutsche Geschichte interessiert, sogar eine Arbeit über Friedrich den Großen geschrieben. Was ist seit Friedrichs Zeit alles geschehen?

 

Rons Vater war 1931/ 1932 als Künstler in Berlin, klassisches Gesangsfach, und hat Ron viel über das Land erzählt, von der großartigen Kultur, den Schriftstellern, Musikern und Philosophen wie Goethe, Mozart und Nitzsche. Bis 1935. Was dann kam, war unvorstellbar. Ron wollte sehen, wie die Deutschen nach 1945, als sie dem braunen Sumpf entstiegen sind, mit ihrer Vergangenheit umgehen, was sich entwickeln wird. Und er hat sich hier bis heute sehr wohl gefühlt, sich künstlerisch und sozial engagiert und so viel für das Land getan, daß ihn Bundespräsident Horst Köhler 2004 mit dem Verdienstkreuz am Bande für seinen Einsatz gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Gewalt und für mehr Menschlichkeit ausgezeichnet hat.

 

Am 2. Februar wurde Ron 76 Jahre alt, kaum zu glauben, aber er stellt manch Zwanzigjährigen in den Schatten mit seinem Temperament und seiner Bühnenpräsens. Den Geburtstag hat er ruhig mit seiner Familie, 2 Kinder, 2 Frauen, ein Enkelkind, begangen. Noch immer ist der Kontakt zu seiner ersten Frau Barbara, der Tochter des großen Sängers Fritz Wunderlich, sehr eng. Seine Tochter Ariane Roth ist Sängerin und Sprach-und Gesangslehrerin, www.ariane-roth.de, sein Sohn Julian ist Singer/ Songwriter, www.julianwilliams.de .Seine jetzige Lebensgefährtin, Gloria Opida, kommt von den Philippinen und lebt mit Ron seit 21 Jahren in München zusammen.

 

Zu Donald Trump befragt, eine klare Antwort von Ron: „He is not my president“.

 

Trump solle sich endlich wie ein Erwachsener benehmen, er solle Vernunft bei seinen Entscheidungen zeigen und endlich lesen lernen, ja es gäbe Gerüchte, er könne nicht mal richtig lesen………, einfach reich sein, genügt nicht, und auch das ist ja fraglich, ist er wirklich so vermögend?

 

Da tut sich auch die Generalkonsulin von München, Jen Gavito,  schwer. Bei unserem letzten Treffen beim liberalen Lunch mit Hildebrecht Braun hatte sie sichtlich Probleme, „Trump zu erklären“. Als Diplomatin ist es ihre Aufgabe zu vermitteln, unpolitisch zu sein, nicht zu werten und jegliche Politik ihres „Chefs“  den Menschen näher zu bringen.

Jen Gavito, Münchens US-Generalkonsulin, mit Uwe Tomas 2017 bei einer Diskussionsrunde

 

U.T.: Du bist am 2. Februar 76 Jahre alt geworden. Das ist unglaublich! Du siehst super aus und auf der Bühne stiehlst Du manchem Zwanzigjährigen die Show mit Deinem Temperament. Wie machst Du das?

 

 

R.W.: Seit den 70-er Jahren meditiere ich. Wenn mir Menschen nicht zusagen, dann gehe ich ihnen aus dem Weg, es ist nicht gut, Leute zu ertragen nur aus Höflichkeit. Auch die Ernährung spielt eine große Rolle, ich esse kaum Fleisch, und wenn dann beste Bioqualität von Herrmannsdorfer, www.herrmannsdorfer.de . In meiner Branche wird auch gerne getrunken, da muß ich schon aufpassen, daß ich mich nicht zu oft verführen lasse.

 

 

 

U.T.: Mit 19 Jahren kamst Du als GI nach Stuttgart, wo Du zum ersten afroamerikanischen Nachrichtensprecher ausgebildet wurdest. Dein erster Auftritt als Sänger war 1962 beim Horst-Jankowski-Jazz Chor. Du bist nach Deiner Militärzeit in Deutschland geblieben. Warum?

 

 

R.W.: Das war die Neugierde auf dieses Land, von dem mir mein Vater viel erzählt hatte.

 

 

U.T.: All Deine künstlerischen Stationen hier zu beschreiben wäre mehr als Abend füllend, hier nur eine kleine Auswahl: Du warst Mitglied des Stuttgarter „Renitenztheaters“,  hattest Gastspiele bei den Berliner „Stachelschweinen“, TV-Auftritte bei „Kinder des Olymp“ (ZDF 1966), warst Mitglied des Ensembles von „Hair“ (1968-1969) zusammen mit Donna Summer, die auch Deine Freundin war. Leider ist sie schon 2012 verstorben. In den 70-er Jahren folgten Theatertourneen durch England und Wales. Wir kennen Dich von vielen Shows wie „ D-Mark, D-Mark über alles“(1978), „Harlem Story“ (1985, WDR/ARD), „Musik Szene“ (ORF/ WDR/  ARD) und „Ron Abend“ als Kabarettist, Sänger und Moderator. Alles in allem hattest Du 800 TV-Gastauftritte und 300 eigene Sendungen im deutschsprachigen Raum.

 

Fühlst Du Dich hier zu Hause?

 

 

R.W.: Erst noch ein paar Worte zu Donna Summer. Sie war ein wunderbarer Mensch und eine großartige Sängerin. Ich denke gerne an die gemeinsame Zeit zurück und freue mich, daß mich ihre Tochter angesprochen hat, in einem Film über Donna mitzuwirken, der in München gedreht werden soll. Eine Hommage an Donna!

 

So wie man sich als Amerikaner in Europa und Deutschland wohlfühlen kann. Ich habe die amerikanische Staatsbürgerschaft, bin aber nur 1 Mal im Jahr in den USA.

 

 

 

U.T.: Dein soziales Engagement ist bekannt: ich selbst habe Dich bei Abi Ofarim im Jugendzentrum für Senioren, kennengelernt als Ihr gerade die Gala 2015 im Künstlerhaus für Abis Verein „Kinder von gestern“, www.kvg-ev.de , vorbereitet habt. Wofür setzt Du Dich noch ein?

 

 

R.W.: Die KinderKulturKarawne, www.kinderkulturkarawane.de . Strassenkinder, Kinderarbeiter, Kinder auf der Flucht und Kinderprostituierte erzählen während eines 5-wöchigen Aufenthaltes in Deutschland aus ihrem Leben, zeigen ihre Talente und werden durch uns unterstützt. Aber sie müssen zurück in ihre Heimat. Schauen Sie sich die website an. Und natürlich meine Patenschaft bei „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. Hier ein Auszug:

Ich unterstütze Schule ohne Rassismus, 
weil ich selbst die Erfahrung von Ausgrenzung und Rassismus als junger Mensch machen musste und weiss, welche Narben das hinterlassen kann.

aus der website: www.schule-ohne-rassismus.org

Ich unterstütze Schule ohne Rassismus, 
weil ich selbst die Erfahrung von Ausgrenzung und Rassismus als junger Mensch machen musste und weiss, welche Narben das hinterlassen kann.

Williams, Ron; Schauspieler, Sänger, Kabarettist und Moderator,

seit dem 22.11.2008 Pate des Albert-Einstein-Gymnasiums in Frankenthal, Rheinland-Pfalz und seit dem 11.07.2013 Pate des Augustinus-Gymnasiums Weiden, Bayern

 

 

Kennst Du Rosa Louise Parks? Sie war eine US-amerikanische Bürgerrechtlerin. Die Afroamerikanerin wurde am 1. Dezember 1955 in Montgomery, Alabama verhaftet, weil sie sich weigerte, ihren Sitzplatz im Bus für einen weißen Fahrgast zu räumen.( Wikipedia). Das stelle ich mir unter Zivilcourage vor und wir brauchen auch heute mehr solche Menschen. Damit begann der eigentliche Kampf um die Bürgerrechte für Schwarze in den USA, den dann Martin Luther King fortführte.

 

U.T.: 2004 hast vom Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland, Horst Köhler, das Verdienstkreuz am Bande für Deinen Einsatz gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Gewalt und für mehr Menschlichkeit erhalten. Wie gehst Du mit dieser großen Ehre um?

 

 

R.W.: Es war eine wirklich große Ehre für mich als Amerikaner diese Auszeichnung zu erhalten.

Ron Williams im Gespräch mit Uwe Tomas am 15. April 2017.

 

U.T.: Berührungsängste mit Schwulen hast Du wohl nicht, Du sitzt mit mir hier beim Gespräch, ohne Angst und Vorbehalte. Deine Filmrolle in Ralf Königs Komödie „Kondom des Grauens“ spricht für Deinen Humor. Kennst Du viele Schwule, beruflich und privat?

 

 

R.W.: Von dem Film hat sich Ralf distanziert, er war zu schlecht umgesetzt, aber die Story, das Buch sind super. Ich arbeite gerne mit Schwulen zusammen, ich habe privat viele schwule Freunde und finde die Zustände in Rußland bedenklich. Da wurde das Disney Musical „The Beauty and the Beast“ verboten, weil im Stück ein Charakter etwas tuntig beschrieben und dargestellt wird. In Rußland ist die Darstellung von homosexuellen Inhalten, deren Verbreitung und Ausführung strafbar, aber in einem Musical……da fragt man sich schon.

 

 

U.T.: Deine Show „Motown“(seit 11. April bis heute) im Prinzregententheater ist ein ganz großes Spektakel mit einem Hitfeuerwerk. Ich habe die Premiere am Mittwoch gesehen und mich hat schon nach 5 Minuten nichts mehr auf dem Sessel gehalten und auch die meisten aus dem Publikum haben fast 2 Stunden gestanden und getanzt. Sehen wir Dich nächstes Jahr wieder mit dieser bravourösen Show?

 

 

R.W.: Es wird noch weitere Produktionen  von Klaus Gassmann mit mir geben, näheres dazu auf www.ron-williams.de , www.sweetsoulmusicrevue.com . Hier in München findet am 9. Juni 2017 um 20:00 Uhr im Schloß Unterschleißheim im Festsaal die Show „The Queens of Soul“ statt, Tickets unter www.muenchenticket.de .

Unser erstes Treffen bei Abi Ofarim 2015.

 

U.T.: Dein politischen Interesse geht eher Richtung Sozialdemokraten, Du bist mit unseren Alt-OB Christian Ude befreundet und hast ihn bei der Landtagswahl 2012 unterstützt, wie auch Maria Peschek, Lisa Fitz, André Hartmann und viele andere Künstler. Wie stehst Du zu Präsident Trump?

 

Münchens Oberbürgermeister Christian Ude, damals noch im Amt, bei seiner ersten schwulen Trauung als oberster Standesbeamter bei Uwe Tomas und Peter Zimmermanns Verpartnerung 2014 in der Mandlstrasse.

 

 

R.W.: „He is not my president“.

 

 

 

U.T.: Sogar die Generalkonsulin Jen Gavito, die ich vor einigen Wochen treffen durfte, hat sich mit Antworten schwer getan, aber sie ist Diplomatin und muß immer die Politik des jeweiligen Präsidenten tragen und erklären. Kein leichter Stand für die Amerikaner in der Welt. Was wünscht Du Dir von der amerikanischen Außenpolitik?

 

 

R.W.: Mehr Verantwortung, mehr erwachsenes Benehmen des Präsidenten.

 

 

 

U.T.: Du hast Familie, eine Tochter, die auch in der Musikbranche tätig ist. War das Dein Wunsch oder hast Du Dir eine andere Zukunft für sie gewünscht?

 

R.W.: Sie ist neben ihrer Arbeit als Sängerin auch als Gesangs-und Sprechleherein tätig. Ich bin stolz auf meine Kinder Ariane und Julian!

 

 

U.T.: Du lebst in Deiner Familie „multi kulti“, Deine Frau ist von den Philippinen, wünscht Du Dir, daß Europa weiter zusammenrückt und politisch und wirtschaftlich ein Gegengewicht zu den USA und China bildet? „Pulse of Europe“ setzt sich seit Wochen öffentlich dafür ein. Bist Du Europäer im Herzen?

 

 

R.W.: Ich bin Amerikaner, der gerne in Europa lebt.

 

 

U.T.: Menschenrechte und Gleichstellungsrechte für Homosexuelle sind immer wieder gefährdet, man muß gar nicht mehr weit schauen. Ungarn, Rußland und Polen verhalten sich sowohl Flüchtlingen als auch Homosexuellen gegenüber menschenverachtend. Was kann man von hier aus tun?

 

 

R.W.: Weiter über Missstände berichten, weiter für Gleichberechtigung kämpfen und demokratische Parteien wählen.

 

 

U.T.: Vielen Dank für das Gespräch, ich wünsche Dir im Namen von LiSL Bayern eine tolle Show heute Abend und weiter alles Gute für Dich und Deine Familie.

 

 

 

Interview mit Dr. Gabriele Weishäupl für LiSL Bayern am 5. März 2017

 

Dr. Gabriele Weishäupl, verewigt als Ölbild, und darunter live beim Interview mit Uwe Tomas für LiSL Bayern im März 2017. (Foto LiSL Bayern)

 

Der Vorstand für Presse und Öffentlichkeitsarbeit von LiSL Bayern, Uwe Tomas, trifft Frau Dr. Weishäupl heute in ihrem Penthaus in München Solln in privater und entspannter Atmosphäre. Nach den vielen Presseberichten und Fernsehinterviews zu ihrem runden Geburtstag sitzt mir eine positiv gestresste und mit ihren Geburtstagsfeierlichkeiten sehr zufriedene Gabi gegenüber.

U.T.: Liebe Gabi, vielen Dank für die Einladung in Dein privates Reich hier in Solln. Gleich hier neben dem Kamin steht ein wunderbares Bild von Dir, das Dich als Bavaria zeigt. Wer hat es gemalt und zu welchem Anlaß ist es entstanden?

 

 

 

Gemälde von Bernhard Prinz, Motiv Gabi Weishäupl.

 

 

G.W.: Bernhard Prinz hat dieses Gemälde im Auftrag der Wiesnwirte zu meinem Abschied als Wiesnchefin 2012 gemalt. Prinz geht mehr in die Richtung Karikatur und hat unter vielen anderen auch Karl Lagerfeld, Amy Winehouse, die Queen, Elton John und Klaus Kinski porträtiert. Mehr unter www.bernhard-prinz.com (Anm. der Redaktion).

 

 

 

 

Weitere Motive von Bernhard Prinz.

U.T.: Du wirst ja wie in der SZ zu lesen war in einem Atemzug als Münchner Original zusammen mit Karl Valentin, Liesl Karlstadt und Rudolph Mooshammer genannt. Wie gehst Du mit dieser Ehre um?

 

G.W.: entspannt………

 

 

U.T.: Da sind wir schon beim nächsten Thema: die schwule Community in München, für die Du Dich seit Jahren interessierst. Du bist mit Dietmar Holzapfel, Chef der „Deutschen Eiche“ seit Jahren befreundet. Wie habt ihr Euch kennengelernt und was habt Ihr gemeinsam für die Community in München bewegen können?

 

G.W.: bereits in den 90-er Jahren begann unsere Freundschaft, Dietmar hat mich auf die ITB (Internationale Tourismusmesse Berlin) begleitet und wir haben dort unter großer Beachtung der gesamten Branche mit einem Stand die Gay Community vorgestellt. Es handelt sich hier um die weltgrößte Tourismusmesse und wir waren Vorreiter mit der Vorstellung von Hotels, Restaurants und Veranstaltern speziell für Gays.

 

U.T.: „Ehe für Alle“, eine Forderung nicht nur von der Rosa Liste, sondern auch von der FDP. Diese Partei steht Dir ja sehr nahe. Hättest Du Dich nach einem Wahlerfolg 2013 für unsere Rechte im Landtag eingesetzt? Es hätte starken Gegenwind aus den Reihen der CSU gegeben, dem Koalitionspartner. Im Bund hat Merkel die FDP in der Koalition wirklich leer laufen lassen, also jedes Projekt der FDP blockiert, verzögert oder ignoriert. Haben wir Homosexuellen eine Verbündete in Dir?

 

G.W.: Ja, natürlich! Ich habe schon immer Toleranz und Liberalität gepflegt wie es auch die FDP macht. Nachdem Sabine Leutheusser-Schnarrenberger die Verpartnerung gleichgeschlechtlicher Paare vom Notar zum Standesamt hin durchgesetzt hat, fehlt nun noch die Anpassung des Adoptionsrechts. Dafür hätte ich mich unter anderem eingesetzt.

 

U.T.: Trump ist ein großes Thema weltweit, oder besser sein Chauvinismus, seine Homophobie und seine restriktive Einwanderungspolitik. Ich habe Dietmar Holzapfels Besuch zu Deinem Geburtstag in einer Trump-Maske mit gemischten Gefühlen gesehen. Wie ernst muss man diesen Präsidenten nehmen? Wie gefährlich ist sein Verhalten gegenüber Minderheiten?

 

G.W.: Ich habe keine Angst vor Trump! Wir müssen auf das Prinzip von Checks and Balances vertrauen. So wurde Trump ja bereits mit seiner verschärften Einwanderungspolitik von der Judikativen gebremst. Er muß lernen die Gewaltenteilung zu akzeptieren wie es sich in einer Demokratie gehört

 

U.T.: Du singst gerne, das hast Du auch auf Deiner Geburtstagsfeier von den Gästen eingefordert. Deine Idee, für jede Gruppe der Gäste ein passendes Lied anzustimmen, hat mir sehr gut gefallen. „Hoch auf dem gelben Wagen“ für Deine FDP-Freunde, „Mir san vom Wald dahoam“ für Deine Freunde aus Niederbayern und „Er gehört zu mir“ für Deine schwulen Freunde. Der Rosenberg Song hat dann leider zeitlich nicht mehr geklappt, aber wie ich erfahren habe werden wir das nachholen.

 

G.W.: Ja, Dietmar Holzapfel hat mich schon angerufen und uns zum Essen in die Deutsche Eiche eigeladen, damit wir dort „Er gehört zu mir“ für ihn und seinen Mann, die übrigens an meinem Geburtstag, dem 28. Februar, Hochzeitstag haben, singen können. Da mußt Du mir mit Deinem Mann Peter helfen.

 

U.T.: Sehr gerne, ich werde noch fleißig üben, damit ich mich nicht blamiere. Und vielleicht auch noch bei Claudia Sommer, einer super guten Sängerin und lieben, einfühlsamen Gesangslehrerin, eine Stunde nehmen (mehr Infos unter www.claudiasommer.com, Anm. der Redaktion). Da hast Du ja einen großen Vorteil, weil Du mit Deinen Eltern schon in frühester Kindheit Hausmusik gespielt hast und selbst Klavier und Akkordeon gelernt hast, und auch  im Kirchenchor hast Du gesungen .

 

U.T.: Verkleidest Du Dich gerne im Fasching? Da Du dieses Jahr am Faschingsdienstag Geburtstag hattest, haben Dich die Damischen Ritter mit André Hartmann und das Prinzenpaar der Narrhalla, Petra und Christian Gaisböck, besucht. Welche Bälle besuchst Du gerne?

Petra und Christian Gaisböck mit Uwe Tomas beim Medizinerball im Bayerischen Hof 2017. (Foto Uwe Tomas privat)

 

G.W.: Nein, verkleidet habe ich mich nur als Kind. Und da haben mich die klassischen Helden sehr  fasziniert seit mir mein Großvater ein Buch über diese Sagen geschenkt hatte. So wie zum Beispiel Archill oder Aeneas. Da habe ich mit einem Holzschwert in den Geschichten gekämpft.

 

In meiner Anfangszeit als Tourismusdirektorin der Landeshauptstadt München habe ich bis zu 13 Bälle in der Saison besucht. Das reicht für ein Leben. Besonders gefreut hat es mich, daß das Kinderprinzenpaar der Würmesia, die mir auch den großen Morisken verliehen hat, zu meinem Geburtstag für mich getanzt hat. Dann waren da noch André Hartmann als Ritter Kasimir von den Damischen Rittern ( mehr dazu unter www.andrehartmann.de, Anm.der Redaktion) und das Prinzenpaar der Narrhalla, Petra und Christian Gaisböck. Alle haben mir die Ehre am Faschingsdienstag zu meinem Geburtstag gegeben.

 

U.T.: Das Oktoberfest wurde durch Dich zu einer weltweiten Marke. Ist dieser Hype nicht auch ein bisschen Fluch für München? Die irrsinnig hohen Hotelpreise in diesen 2 Wochen, der Ansturm auf München mit all seinen Konsequenzen wie Staus, Luftverschmutzung, Lärm und nicht zuletzt Kriminalität bis hin zu der Gefahr, daß München als Terrorziel interessant wird?

 

G.W.: Die Zwischenfallquote, wie es bei uns hieß, lag und liegt im Promillebereich. Das Fest bringt der Stadt München über 1,4 Milliarden EUR pro Jahr. Es ist der größte Imagefaktor für München. Oktoberfest ist der bekannteste deutsche Begriff vor Goethe und Bratwurst. Das hättest Du jetzt nicht gedacht.

 

Die negativen Seiten werden durch eine perfekt Zusammenarbeit und Organisation aller städtischen und staatlichen Kräfte minimiert.

 

U.T.: Ich selbst bin wie Du auch kein Biertrinker und habe nüchtern die letzten 3 Oktoberfeste im Bierzelt zu überstehen. Vorher war ich viele Jahre, genauer gesagt seit dem Attentat von 1980, nicht mehr dort. Damals kamen Freunde von uns ums Leben und 2016 hat ja sogar Regine Sixt die Damenwiesn abgesagt, weil sie die Verantwortung für so viele Gäste persönlich nicht übernehmen wollte. Kannst Du mit all Deinem Insiderwissen unbeschwert feiern?

 

G.W.: Ich bin seit 30 Jahren nicht in Feierlaune, wenn ich über die Wiesn gehe, weil ich immer noch mit den Augen der Festleiterin die Besucherzahlen schätze, Flaschen aufhebe und Betriebsverstöße sofort erkenne. Es ist für jeden anderen Besucher ein Fest der Sinne, die Gerüche der gerösteten Mandeln und der Brathendln, die Musik aus den Zelten und die vielen bunten Lichter. Am Abend der silberne Mond über dem Schottenhammel………ja das genieße ich auch……….

 

Nun zu meinem Bierkonsum: In 28 Wiesnjahren habe ich insgesamt 1 Maß getrunken, weil ich nur zum Anstich jeweils einen kleinen Schluck probiert habe und so kommt in all den Jahren etwa eine Maß zusammen.

 

Es gibt es jedes Jahr eine Gedenkfeier für die Opfer des Anschlags von 1980 zusammen mit Vertretern der Stadt und den Angehörigen der Opfer mit einer Kranzniederlegung.

 

U.T.: Presse-und Meinungsfreiheit sind ein hohes Gut in unserer Demokratie. Geht Luise Kinseher am Nockherberg beim Derblecken zu weit? An welchen unangenehmen Angriff auf Dich erinnerst Du Dich?

 

G.W.: Ich wurde einmal zauberhaft derbleckt: der „Ude“ (Uli Bauer) hat die „Weishäupl“ (Christine Neubauer) gefragt, was denn der Fremdenverkehr dieses Jahr so macht, und da haben sich alle am Nockherberg spontan zu mir umgedreht und mich fragend angeschaut……

 

Die Luise Kinseher ist nicht meine Kragenweite, ich denke gerne an Walter Sedlmayr zurück und an den spektakulären Bruno Jonas, die waren Spitzenklasse!

Walter Sedlmayr am Nockherberg in den 70-er Jahren, Luise Kinseher mit UweTomas in der Lach-und Schiessgesellschaft 2015 (Foto privat)

 

U.T.: Dieses Jahr werde ich die Konkurrenzveranstaltung, den Starkbieranstich im Löwenbräukeller, am Donnerstag, den 9. März, mit Christian Springer besuchen. Interessiert Dich das? Was hälst  Du von Springers politischem Engagement mit seinem Verein „Orienthelfer“ für syrische Flüchtlinge? Er hilft  vor Ort in den betroffenen Ländern und versucht vorrangig Fluchtursachen zu beseitigen bzw. den Menschen auf der Flucht und in den Lagern ein würdiges Leben zu ermöglichen.

 

G.W.: Ich bin da. Und oute mich hier als Fan von Christian Springer, den ich außerdem für sein humanitäres Engagement sehr bewundere. Ja, da gehen wir zusammen hin. Holst Du mich um 18 Uhr ab?

 

U.T.: Sehr gerne. Was wünscht Du Dir für das laufende Jahr? Was sind Deine Pläne privat und politisch?

 

G.W.: Ich wünsche mir, daß mein Sohn seinen Magister in Volkswirtschaft mit einer guten Note abschließt. Politisch werde ich kein Amt anstreben, bleibe aber Mitglied der FDP.

 

U.T.: Vielen Dank für das Gespräch und Deine ehrlichen Antworten. Alles Gute für Dich und Deine Familie. Du hast Dich an Deinem Geburtstag erstmals mit Deinem privatem Glück  öffentlich gezeigt: Deine 2 Kinder, Verena und Emanuel, und Deine 2 Enkelkinder Alina und Isabella. Wolltest Du sie bewusst aus Deinem internationalen und öffentlichen Leben raushalten?

 

G.W.: Ja , unbedingt. Es war mir sehr wichtig, die Kinder aus meinem öffentlichen Leben rauszuhalten.

 

U.T.: Das kann ich gut verstehen. Du hast eine wunderbare Familie! Und nochmals Danke für Deine Gastfreundschaft hier in Solln bei Dir dahoam.

 

Dr. Gabriele Weishäupl beim Interview mit Uwe Tomas für LiSL Bayern im März 2017
(Foto LiSL Bayern)

 

Die Neue CSU Generation in München – es bleibt trotzdem noch viel zu tun

Thomas Sattelberger, unser Direktkandidat für den Münchner Süden, hätte bei der letzten Wahl noch Peter Gauweiler, den schwarzen Peter der CSU, als Gegner gehabt. Schade eigentlich, das hätte den Wahlkampf sicher lebhafter gemacht als gegen den recht farblosen Micheal Kuffer, Rechtsanwalt wie Gauweiler und derzeit Münchner Stadtrat der CSU.

Als sehr sympathische Vertreter der Münchner und bayerischen CSU habe ich Frau Dr. Evelyne Menges und Herrn Josef Schmid kennengelernt. Frau Menges Engagement für den Tierschutz, unter anderem für die Tierrettung München, verdient größten Respekt.

Heute möchte ich nochmals mein mit Josef Schmid geführtes Interview veröffentlichen und seine Haltung Homosexuellen gegenüber, die so auffällig von der Mehrheitsmeinung seiner Partei abweicht, wiedergeben. Er ist inzwischen wie auch Frau Menges ein Kämpfer für die Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften auf allen Ebenen und hat keinerlei Berührungsängste mit der Szene wie ich selbst bei unseren zahlreichen Treffen feststellen konnte.

Uwe Tomas: Schön, dass Du die Zeit gefunden hast, mich heute in Dein Büro im Münchner Rathaus einzuladen und unseren Lesern und Mitgliedern Deine Sichtweise der CSU-Politik gegenüber Schwulen und Lesben zu erklären. Willst Du zuerst noch einmal für dieses Interview ein paar Sätze aus Deiner Rede vom CSD wiederholen, was das Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare betrifft?

Josef Schmid: Für mich ist dabei das Wohl der Kinder entscheidend. Mir geht es darum, dass Kinder behütet und werteorientiert aufwachsen. Ich habe da eine durchaus wertkonservative Sichtweise: Kinder brauchen Zuneigung, Kinder brauchen Schutz, Kinder brauchen einen Rahmen.

Der entscheidende Punkt für mich ist aber: Die Frage, ob man für eine Elternrolle geeignet ist, ist keine Frage der sexuellen Orientierung. Da geht es um Verantwortungsbewusstsein, Sensibilität, Fürsorge und Zusammenhalt. Alle homosexuellen Paare, die ICH persönlich kenne, zeichnen genau diese Eigenschaften aus.

Ich bin fest davon überzeugt, dass es für Kinder prinzipiell keinen Unterschied macht, ob sie in gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften oder in gemischt-geschlechtlichen Ehen aufwachsen. Entscheidend ist die vorhandene oder nicht vorhandene Liebe der Eltern zu ihren Kindern.

Ich persönlich bin deshalb dafür, dass auch homosexuelle Paare die Möglichkeit haben, nicht-leibliche Kinder zu adoptieren. Wie bei allen Adoptionen muss natürlich gewissenhaft geprüft werden, ob das Paar für die Elternrolle geeignet ist. Aber das ist ja eine Selbstverständlichkeit, auch bei heterosexuellen Paaren.

Uwe Tomas: Ich war bei Deinen Sätzen wirklich gerührt. Es hat mich emotional sehr bewegt, dass Du, und nebenbei bemerkt auch Deine Stadtratskollegin Frau Dr. Evelyn Menges, so offen und fast kämpferisch mit unseren Forderungen umgehst. Da ist ja ein kleiner Teil der CSU richtig fortschrittlich nach der Gauweiler-Ära in den 80-er Jahren mit Forderungen nach Internierung von AIDS-Kranken. Wie siehst Du Gauweiler heute?

Josef Schmid: Diese Ansichten aus den 80er Jahren sind längst überholt – die CSU hat sich verändert, die Gesellschaft hat sich verändert. Ich persönlich bin dafür, dass es (…) grundsätzlich eine gesetzliche Gleichstellung von homosexuellen Paaren gibt. Fairerweise muss man sagen: Peter Gauweiler selbst hat seine Positionen aus den 80er Jahren an vielen Stellen revidiert.

Uwe Tomas: LiSL Bayern steht der FDP sehr nahe und viele unserer Mitglieder sind auch Mitglieder der FDP. Willst Du bzw. die CSU bei den Grünen, der rosa Liste und der FDP auf Stimmenfang gehen? Rein ideologisch findet sich der intellektuelle Homosexuelle bei der FDP, der eher einfach strukturierte Homosexuelle geht Richtung grün/ rosa. Aber CSU, geht das?

Josef Schmid: Ja, wir müssen neue Antworten darauf geben, wie wir Ehe und Familie in einer sich verändernden Gesellschaft definieren wollen. Gerade in einer Großstadt wie München ist diese sich verändernde Gesellschaft ja mit Händen zu greifen. Ich plädiere aber auch für gegenseitige Toleranz und einen gelassen-liberalen Tonfall in diesen Debatten. Für viele, gerade christlich orientierte Menschen, ist es nicht leicht, sich von der traditionellen Definition der Ehe zu lösen. Das hat in den seltensten Fällen etwas mit Ressentiments und Vorurteilen zu tun. In den allermeisten Fällen hat das seine Ursache in starken kulturellen Prägungen. Deshalb bin ich sehr dafür, in den gegenseitigen Dialog zu treten und argumentative Brücken zu bauen. Meinen Teil will ich dazu beitragen. Auch durch ein Statement wie dieses.

Uwe Tomas: Du meinst es also ernst und stellst Dich gegen Seehofer. Aber ohne ihn geht nicht viel in Richtung komplette Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare. Wie wirst Du Dich politisch weiter für uns Schwule und Lesben einsetzen?

Josef Schmid: In der Stadtpolitik so engagiert wie bisher. Ich habe bereits als einfacher Stadtrat vor 10 Jahren am CSD teilgenommen. Ca. 10 % der Bevölkerung sind homosexuell oder haben zumindest eine starke Affinität dazu. So sieht auch der Bekannten-und Freundeskreis von meiner Frau und mir aus. Sogar einer unserer Trauzeugen ist homosexuell.

Uwe Tomas: Wie bei uns! Ich hatte damit auch keine Probleme.

Josef Schmid (lacht): Ja, so sieht Akzeptanz aus.

Uwe Tomas: Die großen Religionen haben ja alle so ihre Probleme mit der Gleichgeschlechtlichkeit. So bin ich dafür, dass sich der Staat bzw. auch die Stadt aus dem Glauben raushalten sollte. Im Kommentar der „WELT“ vom 27. November 2015 fordert der Kolumnist Matthias Kamann „Staatsgeld für Gläubige“. Soll heißen, dass, wenn schon der Steuerzahler für die Kirchen aufkommt, auch muslimische und jüdische Glaubensgemeinschaften Gelder erhalten sollten. Diese Staatsleistungen von 500 Millionen Euro jährlich für die Verluste der Kirchen im Rahmen der Säkularisation im 19. Jahrhundert sollten in eine Religionssubvention für alle Glaubensrichtungen umgewandelt werden. Könnte sich die CSU und Du selbst damit anfreunden? Oder dann doch eher gar kein Geld für Religion?

Josef Schmid: Wie schon in der k.-u.k. Monarchie sollten wir auch heute wieder von allen großen Religionsgemeinschaften Verantwortung für die Gesellschaft einfordern. Natürlich geht das nur, wenn diese organisierte Strukturen aufweisen und man einen kompetenten Ansprechpartner hat. Gerade der christliche Glaube ist eine wichtige Grundlage für unsere Kultur und muss es auch bleiben.

Uwe Tomas: Hast Du Franz Josef Strauß noch persönlich gekannt? Die Feierlichkeiten zu seinem 100. Geburtstag, veranstaltet von der bayerischen Staatsregierung und der Hans-Seidel-Stiftung, wurden in einem sehr wohlwollenden, intimen Rahmen abgehalten. LiSL Bayern wurde trotz Nachfrage nicht dazu eingeladen. Wir hätten das als Zeichen der Versöhnung und einer neuen Ausrichtung der CSU gesehen. FJS war vielleicht nur ein Opfer seiner Zeit, durchdrungen von Vorurteilen, die noch aus der Nazi-Zeit stammten. „Lieber ein kalter Krieger als ein warmer Bruder“. Solche Zitate halten sich bis heute. Wie tolerant bist Du mit Vorurteilen gegenüber Minderheiten aufgewachsen?

Josef Schmid: Ich bin sehr tolerant erzogen worden, habe aber auch aus eigener Überzeugung zu einer toleranten Haltung gefunden.

Uwe Tomas: Die neue „Minderheit“ der Flüchtlinge wird ja gar nicht mehr als Minderheit, sprich wenige andersartige, gesehen, sonder als Bedrohung, gegen die man Einhalt gebieten muss. Die Münchner Stadtspitze hat viel geleistet, aber langsam befürchte ich, dass Ihr, die rotschwarze Koalition, umfallt und Euch den Forderungen nach Obergrenzen, Kontingenten und Lagern an den Grenzen den Forderungen  des rechten Randes beugt. Bitte sag, dass das nicht wahr ist und wir weiterhin die Menschen aufnehmen werden, die nicht aus Spaß an der Freud alles aufgeben und unter Lebensgefahren zu uns kommen. Hier seien auch die Menschen erwähnt, die vor Diskriminierung und Strafandrohung auf Grund ihrer sexuellen Veranlagung fliehen und es sich nicht mal hier zu sagen trauen. Wie geht es in der Flüchtlingspolitik der Stadt München weiter?

Josef Schmid: Menschen, die auf Grund ihrer sexuellen Orientierung verfolgt werden, haben grundrechtlichen Anspruch auf Asyl. Dies müssen sie bei der Antragstellung, die unter 4-Augen stattfindet und diskret abläuft, angeben. Diese Menschen mussten sich ein Leben lang verstecken und können sich nun endlich zu ihrer Neigung bekennen.

Uwe Tomas: Ich glaube, dass viele dies nicht tun und politische Gründe vorschieben, da die Befragung leider nicht immer so einfühlsam abläuft und dann auch in den Aufnahmelagern Repressalien von anderen Flüchtlingen drohen. Trotzdem passen Deine  persönlichen Ansichten eher in die FDP, wie sieht es mit einem Parteiwechsel bei Dir aus?

Josef Schmid: Nein! Ich fühle mich in der CSU sehr wohl und zuhause.

Uwe Tomas: Ich war im November in Berlin, wo neben dem Bundespresseball auch die jährliche Gala der Magnus Hirschfeld Bundesstiftung am Samstag stattfand. Dort wurden neben vielen illustren Gästen auch Flüchtlinge aus Syrien und Russland empfangen. Dass in Russland Schwule um ihr Leben und ihre Gesundheit fürchten müssen, hat mich schon stark beeindruckt. Wollen wir weiterhin Menschen, die auf Grund ihrer sexuellen Orientierung in ihren jeweiligen Heimatländern verfolgt, mit Gefängnis-oder Todesstrafe bedroht werden, bei uns aufnehmen? Dass Schwule aus Syrien wegen des Krieges Asyl erhalten ist ja ganz nett, aber leider nicht, weil sie schwul sind. So ist es eine Forderung von LiSL Bayern, alle „sexuell Verfolgten“ aufzunehmen. Wäre das eine Option im neu zu regelnden Asyl-und Einwanderungsrecht, das ja leider immer noch fehlt. Also die Unterscheidung zwischen Asylsuchenden und  wirtschaftlichen Migranten.

Josef Schmid: Für München stehen ganz andere praktische Fragen an: wir sind am Ende unserer Kapazitäten. Der Sommer 2015 hat sehr viel Großartiges zutage gebracht. In ganz Deutschland, in besonderer Form hier in München. Die Hilfsbereitschaft großer Teile der Münchner Bevölkerung verdient jeden Respekt. Die Gastfreundschaft dieser Stadt erfüllt auch mich mit Stolz. Wer zu uns kommt, dem helfen wir. Ohne Wenn und Aber.

Aber selbst die leistungsfähige Stadt München wird es nicht schaffen, jedes Jahr mehrere Tausend zusätzliche Sozialwohnungen für Flüchtlinge zu schaffen. Oder sie schafft das nur auf Kosten der einheimischen Bevölkerung. Und das will ich nicht.

Deshalb ist es auch im Interesse der Stadt München, die nach dem Königsteiner Schlüssel 1,5 % aller nach Deutschland kommenden Flüchtlinge aufzunehmen hat, wenn die Zuwanderung begrenzt wird. Das ist im übrigen auch im Sinne aller bereits in München lebenden Flüchtlinge. Ich will nämlich, dass diese Menschen, die einen langen Weg hinter sich haben, hier möglichst optimal integriert werden und sich bei uns wohl fühlen. Und das bedeutet vor allem, dass sie möglichst schnell einen Arbeitsplatz und eine Wohnung haben.

Uwe Tomas: Auch dieses Jahr, am 11. Dezember 2015, haben der Vorstand  von LiSL und einige Stadträte zum wiederholten Male die Münchner AIDS Hilfe e.V. beim Bärenverkauf am Weihnachtsmarkt am Sendlinger Tor unterstützen. Die Zahlen der Neuinfektionen nehmen in diesem Jahr wieder deutlich zu, vor allem in Russland, wo keine Aufklärung stattfindet. Wie sieht Deine Unterstützung für die HiV-Infizierten und die Aufklärungsarbeit aus?

Josef Schmid: Die CSU-Stadtratsfraktion hat unter meiner Führung bei allen Unterstützungsbeschlüssen für den Kampf gegen diese schreckliche Krankheit und ihre Folgen zugestimmt und auch eigene Vorschläge eingebracht.

Uwe Tomas: Vielen Dank für das Interview, ich habe mich sehr gefreut, dass Du so ausführlich meine Fragen beantwortet hast und wünsche Dir und Deiner Familie alles Gute. Und mach weiterhin eine homophile Stadtpolitik. Auch gegen Widerstände in Deiner eigenen Partei. DANKE!!!

 

LiSL Bayern im Interview mit Anne-Marie Sprotte – I Kissed A Girl… frei nach Katy Perry (2008, universal music)

Anne-Marie Sprotte (*8. August 1942). Foto: privat.

Anne-Marie Sprotte (*8. August 1942). Foto: privat.

Anne-Marie Sprotte (*8. August 1942) kam in Wien zur Welt, ist dann aber bald mit ihrer Familie nach München gezogen, wo sie seitdem wohnt. „Die sportliche Blonde aus München“ (Funk Uhr 1971) kündigte das ARD-Fernsehprogramm an, moderierte im Regionalprogramm die „Abendschau“, das „Bayernstudio“, den „Samstagsclub, den „Schlagerladen“ und „ARD-Nachtexpress“ neben vielen weiteren Auftritten bei Galas, Charity-Abenden und Modenschauen. Ihr Weg führte sie nach einer kaufmännischen Ausbildung über New York (Hostess bei der Weltausstellung 1965) nach Baden-Baden, wo sie aus 400 Bewerberinnen für den vakanten Posten in der Sprecherriege von Programmdirektor Günter Gaus ausgewählt wurde.

Auch ein Ausflug im die Filmschauspielerei zusammen mit ihrem damaligen Ehemann, dem Schauspieler Michael Cramer, mit dem Kinofilm „Ich denk’ mich tritt ein Pferd“ hat sie erfolgreich bestanden mit einer kleinen Rolle neben Uschi Glas.

Hochzeitsbild mit Michael Cramer. Die Ehe hielt bis 1975. Foto: privat.

Hochzeitsbild mit Michael Cramer. Die Ehe hielt bis 1975. Foto: privat.

Anne-Marie Sprotte ist das lebende „Who is Who“ von München: über jede und jeden hat sie etwas zu berichten und wird uns heute einige Anekdoten erzählen.

Zuletzt stand sie neben Bibi Johns und Johnny Logan Patin für eine Geschichte im Buch „Alles ist Liebe“ von Peter Zörner. Dieses Charity-Projekt hilft der Stiftung „s’Münchner Herz“ von Margot und Günter Steinberg, zu bestellen bei www.peter-zoerner.de oder per mail petzi1@t-online.de.

Anne-Marie Sprotte, die Fernsehansagerin - ein Poträt der Funk Uhr. Privatarchiv.at.

Anne-Marie Sprotte, die Fernsehansagerin – ein Poträt der Funk Uhr. Privatarchiv.

Uwe Tomas: Liebe Anne-Marie, Du hast mich und meinen Mann Peter immer so herzlich empfangen. Heute bin ich schon wieder in Deiner schönen, gemütlichen Wohnung zu Gast und Du willst uns diesmal mit ein paar „G’schichtn“ aus Deiner erfolgreichen Zeit beim BR (Bayerischer Rundfunk) unterhalten. Das freut unsere Mitglieder und Leser unserer website LiSL Bayern (www.lisl-bayern.de) und unserer facebook Seite sehr. Du lebst ganz ohne Computer und Smartphone. Wie informierst Du Dich über das Tagesgeschehen?

Anne-Marie Sprotte: Im Radio, gerne Bayern 5 aktuell. Schließlich habe ich durch meinen Beruf zu diesem Medium eine sehr enge Beziehung. Als Zeitung lese ich gerne die TZ. Serien, heute soaps genannt, meide ich tunlichst. Dagegen sehe ich regelmäßig die NDR Talkshow mit Giovanni di Lorenzo, Judith Rakers, Barbara Schöneberger und Hubertus Meyer-Burckhardt. Ein wirklich gutes Format, nicht dieses Überangebot an Informationen, die uns jeden Tag ereilen.

Uwe Tomas: Gerade heute haben mich wieder schlechte Nachrichten aus Slowenien erreicht. Dort wurde in einem von der Kirche initiierten Referendum über die Homo-Ehe abgestimmt. Kein gefälliges Wort, ich würde eher sagen, dass die Slowenen gegen eine rechtliche Gleichstellung gestimmt haben. Du kennst Peter und mich. Haben wir es verdient, in einem rechtlich sicheren Rahmen zu leben?

1964 in Italien, Anne-Marie in Diva-Pose: einfach traumhaft! Foto: privat.

1964 in Italien, Anne-Marie in Diva-Pose: einfach traumhaft! Foto: privat.

Anne-Marie Sprotte: Selbstverständlich! So übernimmt man gegenüber einem anderen Menschen Rechte und Pflichten. Diese Lebensform hat Anerkennung verdient, … und die Andersdenkenden können einem Wurscht sein. Die sind sowieso schwer zu überzeugen. Aber hier sind wir auf einem guten Weg.

Uwe Tomas: Ist denn Toleranz gegen diese „Nicht“-Toleranten möglich?

Anne-Marie Sprotte: Ja, aber lass es nicht zu, dass andere Dich leben. Das ist so mein Leitspruch gegen Fremdbestimmung und Bevormundung.

Uwe Tomas: Da soll auch allen anderen homosexuellen Menschen erlaubt sein. Gab es denn in Deiner Zeit beim Rundfunk schwule oder lesbische Kollegen? Waren diese geoutet oder sprach man nur über vorgehaltener Hand über sie?

Anne-Marie Sprotte: Ich habe immer schon ein gutes Gefühl für die sexuelle Orientierung meiner Mitmenschen und Kollegen gehabt. Bei einem Barbesuch in München in netter Runde mit Kollegen und Freunden hat mich einmal ganz unvermittelt eine junge Frau geküsst (Anmerkung der Redaktion: deshalb der Titel des Interviews „I Kissed A Girl“), und zum Tanzen aufgefordert. Da hat sie eine Watschn gekriegt. Das war mir schon sehr unangenehm, dieses Erlebnis mit einer Lesbe. Aber ich habe wirklich sehr nette schwule und lesbische Kollegen kennengelernt. Ramona Leis ist so ein wunderbarer Mensch, die ja übrigens auch mit einer Frau verheiratet ist und letztes Jahr den CSD in München moderiert hat.

Autogramm von Freddy Quinn für Anne-Marie Sprott. Privatarchiv.

Autogramm von Freddy Quinn für Anne-Marie Sprott. Privatarchiv.

Uwe Tomas: Aber der Song von Katy Perry „I Kissed A Girl“ ist schon super und wirbt für Toleranz. Und auch Freddy Quinn war Dir sehr sympathisch in Deiner Sendung im Juni ´71. Anderes Thema: Seit 11.11. haben wir Fasching. Ich muss Dir einfach den Karnevalswitz über die Fernsehansagerin erzählen, die beim Ankündigen des Abendprogramms sagte: „ Meine sehr verehrten Zuschauer, ich freue mich sehr, Ihnen heute, um 20 Uhr den Horrorklassiker „Das schwarze Loch“ anzusagen. Im Anschluss sehen Sie „Mainz, wie es singt und lacht“. (klingt gesprochen wie „meins, wie es singt und lacht“, Anm. d. Red.). Hast Du Humor?

Anne-Marie Sprotte: Ja. Und die Ansagerin kannte ich auch. Das war Ursula von Manescul und ist wirklich passiert und heute noch lustig.

Uwe Tomas: Musst Du auch haben, wenn Du mir ein Interview gibst. Was war denn Dein größter Versprecher im Fernsehen?

Anne-Marie Sprotte: Kurz vor meiner Ansage war ich noch in Riemerling Tennis spielen, kam recht abgehetzt beim Fernsehen an und habe dann „Jetzt folgt der Übelick“ gesagt. Es sollte heißen der „Überblick“ auf das Abendprogramm.

Uwe Tomas: Welchen Thema bzw. welche Nachricht hat Dich bei der Moderation emotional am meisten bewegt? Ein bestimmter Nachruf, eine schlimme Katastrophe?

Anne-Marie mit Fritz Hausmann bei der Sendung im  BR2 „Sport Stars Stereo“, die viele Jahre erfolgreich lief. Die Hörer sollten die Namen von Sportlern erraten, die in ihrem Privatleben vorgestellt werden, ohne ihre Sportart zu erwähnen. Foto: privat.

Anne-Marie mit Fritz Hausmann bei der Sendung im BR2 „Sport Stars Stereo“, die viele Jahre erfolgreich lief. Die Hörer sollten die Namen von Sportlern erraten, die in ihrem Privatleben vorgestellt werden, ohne ihre Sportart zu erwähnen. Foto: privat.

Anne-Marie Sprotte: Das weiß ich ganz genau. Ich war mit dem Verlesen der Nachrichten fast fertig als noch eine letzte Meldung zu mir gereicht wurde. „Peter Vogel ist gestorben“. Ich konnte dann Gott sei dank gleich raus, da es die letzte Nachricht war und musste mich übergeben. Peter war ein langjähriger und sehr lieber Freund, wir waren eine eingeschworene Clique zusammen mit Peter Kraus und es ging mir sehr nahe. Er war ja nicht krank und sein Tod war so ein Schock für mich.

Uwe Tomas: Das Jahr geht zu Ende , man resümiert. Hast Du Wünsche für die Zukunft?

Anne-Marie Sprotte: Keine.

Artikel der Funk Uhr über Anne-Marie Sprott und Günter Sachs, Januar 1971. Privatarchiv.

Artikel der Funk Uhr über Anne-Marie Sprott und Günter Sachs, Januar 1971. Privatarchiv.

Uwe Tomas: Nun noch ein paar Worte zu Deinen Gästen in der Sendung „Sport Stars Stereo“ und Begegnungen mit berühmten Menschen. Du wolltest Gunter Sachs im Januar 1971 verführen. Das war ja mal eine Zeitungsente, aber ein sehr lustiges Bild, das Du selbst mit „So ein Schmarrn“ kommentiert hast.

Liebe Anne-Marie, danke für das interessante Gespräch, weiterhin viel Glück und Gesundheit für Dich. Übrigens, Du bist schon seit 26 Jahren liiert, sogar mit einem Mann…

 

Alle Rechte & Copyright bei Anne-Marie Sprotte, Fotos aus privatem Archiv.

Der Aids-Teddy 2015

(c) Münchner Aids-Hilfe

(c) Münchner Aids-Hilfe

Die Liberalen Schwulen und Lesben (LiSL) Bayern nehmen auch dieses Jahr wieder am Aids-Teddy Verkauf am Weihnachtsmarkt am SendlingerTor teil. Mitglieder von LiSL und der LiSL-Vorstand mit Charlena Wirth und Uwe Tomas werden am Freitag, den 11. Dezember, ab 15.00 Uhr am Stand der Münchner Aids-Hilfe e.V. Teddys zu Gunsten des Vereins verkaufen. Wir freuen uns auf die Stadträte Dr. Michael Mattar (FDP) und Thomas Ranft (Piraten), die uns wie bereits im Vorjahr unterstützen werden.

Für weitere Überraschungen ist gesorgt.

Im Anschluss an den Verkauf ist die jährliche Weihnachtsfeier von LiSL Bayern in der Deutschen Eiche ab 19 Uhr geplant. Wir freuen uns über eine rege Teilnahme unserer Mitglieder und begrüßen auch gerne Interessierte. Bitte um Anmeldung über facebook/ LiSL Bayern oder direkt beim Vorstand für Presse und Öffentlichkeitsarbeit unter uwe.tomas@lisl-bayern.de.