Interview mit dem Leiter des „Orchester Hugo Strasser“, Heinrich Haas

(am 31. Mai 2017 in München, Gartenrestaurant des Hotels Bayerischer Hof)
von Uwe Tomas für LiSL Bayern

Heinrich Haas am Flügel im Bayerischen Hof München.

Heinrich Haas am Flügel im Bayerischen Hof München.

 

LiSL Bayern möchte seinen Mitgliedern Lesern der website www.lisl-bayern.de und der facebook Seite LiSL Bayern heute einen ganz besonderen Orchesterleiter, Musiker und Sänger vorstellen. HEINRICH HAAS vom ORCHESTER HUGO STRASSER.

Meine erste Begegnung mit Herrn Haas fand leider erst im Jahre 2017 beim 70. Geburtstag von Gabi Weishäupl statt. Leider heißt hier, daß mir in den Jahren davor so viel entgangen ist, was die musikalische Vielfalt, die wunderbare Stimme und den ganze Mensch Heinrich Haas ausmacht.

Nun holen wir das nach: Hugo Strasser, der Gründer und Leiter des ältesten, noch bestehenden Tanzorchesters in Europa, hat sein gesamtes Werk, seine Kompositionen und eben das Orchester in die Hände von Herrn Haas gelegt. Dieser führt es seit dem Tod des legendären Hugo Strasser weiter.

Heinrich Haas am Flügel mit Uwe Tomas (rechts)

Heinrich Haas am Flügel mit Uwe Tomas (rechts)

U.T.: Danke, daß Sie heute für mich und LiSL Bayern Zeit gefunden haben und zu diesem Treffen bereit waren trotz Ihrer vielen Termine und Verpflichtungen. Sie haben eine große Aufgabe und Verantwortung übernommen. Ist es Ihnen innerhalb des Orchesters schwer gemacht worden in die Fußstapfen von Hugo Strasser zu treten?

H.H.: Einige Bandmitglieder sind schon 30 Jahre dabei und haben sich Hoffnungen auf die Nachfolge gemacht. Das führte zwangsläufig zu Spannungen. So mußte ich mich von einigen Musikern trennen. Schon während Hugos aktiver Zeit glaubten ein paar Bandmitglieder nebenher dank ihrer Popularität im Orchester ein eigenes gründen und führen zu können. Hat nicht funktioniert. Jedoch hat das nur zwei Musiker betroffen, mit restlicher Orchestermitgliedern habe ich ein sehr harmonisches Verhältnis und wir haben sehr viel Spaß bei unseren Auftritten.

U.T.: Ich denke ja, man sollte Herrn Strassers Verfügung und Wünsche, wem er sein Werk übergibt, respektieren. Das wäre ein ehrenvolles Verhalten und würde die Wertschätzung für ihn und sein Leben wirklich ausdrücken.

H.H.: Stimmt, er wußte wohl selbst am besten, wer aus seinem Umfeld am  geeignetsten ist, das Orchester in die Zukunft zu führen und seine Kompositionen zu bewahren. Es darf keine Stagnation eintreten, die Fans verändern sich, der Musikgeschmack entwickelt sich weiter und ich hatte keine Angst, Neuerungen einzuführen.

U.T.: Welche waren das?

H.H.: Wir haben jetzt zum Beispiel auch Vocals im Orchester. Das Publikum wünscht sich neben der instrumentalen Tanzmusik auch Songs von Frank Sinatra und Dean Martin sowie aktuellere Titel. Ich habe zwei sehr ambitionierte Sänger gefunden: Jenny Strasburger und Giacomo Di Benedetto. Das hält uns konkurrenzfähig und entspricht der Entwicklung des Publikums. Hugos Fans sind heute 80 plus, das heißt, ich könnte in maximal 10 Jahren aufhören. So versuche ich neue Altersgruppen zu erschließen und Hugos Orchester dem Zeitgeschmack entsprechend zu gestalten ohne dabei die alt eingesessenen Hugo Strasser Fans zu vernachlässigen.

U.T.: Sie stammen aus einer bekannten Münchner Schaustellerfamilie, die auf der Wiesn die WEISSBIER ALM betreibt. Haben Sie Bühnengene?

H.H.: Wohl schon, ich habe seit meiner frühen Kindheit Musik gemacht und bin seit meinem 17.Lebensjahr mit Hugo aufgetreten. Das war eine große Ehre, schon so jung mit diesem weltbekannten Musikern spielen zu dürfen. Aber der Wiesn bin ich trotzdem treu geblieben und man trifft mich zur Wiesnzeit auch des öfteren in der Hofbräu WEISSBIER ALM an.

U.T.: Bei Wiesn fällt einem sofort Frau Dr. Gabriele Weishäupl ein. Dank dieser Dame haben wir uns ja erst kennengelernt. Sie, lieber Herr Haas, haben auf ihrem Geburtstag im Biermuseum so wunderschöne italienische Schlager gesungen wie „Volare“, Buona Sera…“ und „Amore“. Das war so wunderbar. Sie verbindet mit Frau Weishäupl eine lange Freundschaft. Sie hat ja bei den letzten Wahlen für den Landtag kandidiert. Haben Sie selbst politische Ambitionen?

H.H.: Politisch äußere ich mich öffentlich eher ungern. Am liebsten spreche ich über Musik, da das auch zu 100% mein Fachgebiet ist.

Heinrich Haas am Klavier

Heinrich Haas am Klavier

U.T.: LiSL Bayern ist seit 2016 eine Vorfeldorganisation der FDP und hat natürlich politische Ziele. So zum Beispiel die Gleichstellung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften mit der Ehe.

H.H.: Ich bin der Meinung das die sexuelle Orientierung in der heutigen Zeit kein Thema mehr sein darf. Jeder hat das Recht so zu leben wie es ihm gefällt, aus diesem Grund empfinde ich persönlich zu diesem Thema kein besonderen Redebedarf.

U.T.: Um so wichtiger ist es, die Vergangenheit mit all ihren Diskriminierungen nicht zu vergessen und das Erreichte zu bewahren. Man muß gar nicht weit schauen, so zum Beispiel nach Russland, wo sehr viele Gewalttaten gegen Schwule verübt werden und der Staat das fördert. Auch hier setzt sich LiSL für die Menschenrechte ein.

Nun zu einer erfreulichen Begegnung, die ich am Samstag, den 27. April, im Hollerhaus in Irschenhausen hatte. Bei der Ausstellungseröffnung von Inge Doldinger, „Flügel der Hoffnung“, lernte ich Pete York und seine bezaubernde Frau Mecky kennen. Da gibt es eine schöne Geschichte von Ihnen und Pete aus dem Hard Rock Café.

Klaus Doldinger, Inge Doldinger, UweTomas (von links)

Klaus Doldinger, Inge Doldinger, UweTomas (von links)

H.H.: Zu Pete und mir fällt mir eine tolle Geschichte ein. Ihm sollte vor großem Publikum, Presse und Fernsehen der Preis von Hard Rock Café verliehen werden und sein Pianist und Bassist in einer Person ist ausgefallen, so hat er mich gegen 11.30 Uhr angerufen als ich gerade mit meiner Mutter im Auto unterwegs war. Er fragte mich, ob ich einspringen wolle. Ja klar, Piano ist kein Problem. Aber Du kannst doch auch nebenbei noch Bass spielen, und übrigens Songs von der Spencer Davis Group Ist doch kein Problem, oder? Naja, ich kann es mir anschauen und lernen. Wann ist denn der Auftritt, Pete? Er sagte heute um 20.00, Aufbau und Soundcheck ist um 13.00 Uhr.  Ich habe zugesagt, schnell den Fahrerplatz mit Mutter getauscht und auf der weiteren Fahrt die am Abend zu spielenden Titel am Handy angehört und auswendig gelernt, schnell in meinem Proberaum meine Equipment und meinen Anzug geholt und bin zum Sound Check und……..es hat geklappt. Als wir eine Durchlaufprobe gemacht haben und alles gut geklappt hat, sagte Pete zu mir„Hey Heinrich, You save my ass“. Eine sehr lustige und schöne Erinnerung!

Pete York im Hollerhaus bei Inge Doldinger.

Pete York im Hollerhaus bei Inge Doldinger.

U.T.: Pete York ist wahrlich ein Virtuose am Schlagzeug, habe ich am Samstag erlebt.

Mecky York (Mitte) mit Lia Schneider-Stöckl und Inge Doldinger (rechts).

Mecky York (Mitte) mit Lia Schneider-Stöckl und Inge Doldinger (rechts).

Klaus Doldinger hat bei der Ausstellungseröffnung zusammen mit Wolfgang Schmid das musikalische Opening übernommen und da Pete gerade anwesend war, sollte er mitmachen. Seine Frau Mecky sagte, warte einen Moment, ich hole Deine Instrumente, fragender Blick von Pete, er hatte gar keine im Wagen, und dann Überraschung, ein Topf und zwei Kochlöffel. Das war alles, was er für seine Kunst brauchte. Eine beeindruckende Darbietung!

Wolfgang Schmid, Klaus Doldinger und Pete York bei der Ausstellungseröffnung von Inge Doldinger „Flügel der Hoffnung“.

Wolfgang Schmid, Klaus Doldinger und Pete York bei der Ausstellungseröffnung von Inge Doldinger „Flügel der Hoffnung“.

H.H.: Ich bin dankbar, solche Menschen kennenlernen zu dürfen.

U.T.: Sie bringen in der Tradition von Hugo Strasser wieder jährlich eine „Tanzplatte des Jahres“ heraus. Als CD. Eine haben Sie mir gerade geschenkt. Vielen Dank, die werde ich gleich im Auto hören. Wann erscheint die nächste?

H.H.: Die nächste wird heißen „Dance 2018“ und wahrscheinlich gegen Januar/Februar 2018 im Handel erhältlich sein. Die Dance 2017 ist derzeit am einfachsten in der CD Abteilung von Ludwig Beck am Rathauseck zu bekommen. Falls gewünscht, wird die CD sogar versendet.

U.T.: Ihre musikalische Leistung zum „Ball der Sterne“ im Deutschen Theater 2017 wurde hochgelobt. Da muß ich im nächsten Jahr unbedingt kommen.

H.H.: Ich kann Ihnen nur empfehlen zu kommen und gerne auch Freunde mitzubringen. Das Ambiente wenn zu unserer Musik die volle Tanzfläche sich bewegt ist ein unglaubliches Lebensgefühl und macht sowohl uns Musikern als auch den Tänzerinnen und Tänzern sehr viel Spaß. Das Deutsche Theater bemüht sich sehr mit dem Ball der Sterne und dem Ball Total tolle und einzigartige Bälle dem Publikum zu bieten, was ihnen wie ich finde, sehr gut gelingt. Es gibt viele Showacts, hervorragendes Essen und dazu spielt das älteste Tanzorchester in Europa – das „Orchester Hugo Strasser“, mehr muss ich dazu glaub ich nicht erzählen, ausser – „Kommen Sie, es lohnt sich!“

Dance 2017

Dance 2017

U.T.: Ihre nächsten Projekte und Auftritte sind …………….?

H.H.:Da kann ich Sie auf unsere website www.orchsterhugostrasser.de einladen, hier sind alle aktuellen Veranstaltungen zu finden.

U.T.: Sie treten auch in anderen Aufstellungen auf, so als „Celebrate in Style“, „Hugo Strasser Hot Five“ und die Walking Voices. Swing ist sehr beliebt und mir ist aufgefallen, daß man inzwischen an jeder Ecke Songs von Frank Sinatra und Dean Martin hören kann.

H.H.: Stimmt. Zum einen ist es sehr schön, daß die Musik dieser Ausnahmemusiker weitergetragen wird und so unsterblich wird, aber die Qualität der Interpreten und der Darstellungen weist ein breites Spektrum auf. Soll heißen, das Publikum hört ein schlechte Darbietung eines Sängers oder einer Band die dieses Titel spielt und denkt sich, naja…, habe ich jetzt gehört und warum soll ich nochmals zu einem Konzert gehen, bei dem diese Songs ein weiteres mal wiedergegeben werden?. Ebenso könnte man ein Ferrari mit einem Fiat vergleichen. Beide kommen aus Italien, haben 4 Räder und ein Lenkrad, trotzdem unterscheiden Sie sich, oder?

U.T.: Man findet über Sie und Hugo Strasser wenig in der Yellow Press, nicht mal auf wikipedia ist viel über Sie beide zu lesen. Herr Strasser wurde anonym beigesetzt. Warum?

H.H.: Das ist von ihm so gewollt. Genauso wie über Politik spreche ich auch über diese privaten Dinge nur ungern öffentlich. Hugo wollte, daß seine Musik weiterlebt und nicht seine Grabstätte zu einem Wallfahrtsort wird. Genau das mache ich mit meiner musikalischen Arbeit und der Pflege und Weiterführung seines Werkes.

U.T.: Eigentlich ein schönes Schlußwort, aber da wäre noch……………….wir sehen uns bald wieder und sprechen weiter.

Heinrich Haas, Innegrit Volkhardt und Uwe Tomas im Gartenrestaurant des Hotel Bayerischer Hof in München beim Interview.

Heinrich Haas, Innegrit Volkhardt und Uwe Tomas im Gartenrestaurant des Hotel Bayerischer Hof in München beim Interview.