Interview mit Dr. Gabriele Weishäupl für LiSL Bayern am 5. März 2017

 

Dr. Gabriele Weishäupl, verewigt als Ölbild, und darunter live beim Interview mit Uwe Tomas für LiSL Bayern im März 2017. (Foto LiSL Bayern)

 

Der Vorstand für Presse und Öffentlichkeitsarbeit von LiSL Bayern, Uwe Tomas, trifft Frau Dr. Weishäupl heute in ihrem Penthaus in München Solln in privater und entspannter Atmosphäre. Nach den vielen Presseberichten und Fernsehinterviews zu ihrem runden Geburtstag sitzt mir eine positiv gestresste und mit ihren Geburtstagsfeierlichkeiten sehr zufriedene Gabi gegenüber.

U.T.: Liebe Gabi, vielen Dank für die Einladung in Dein privates Reich hier in Solln. Gleich hier neben dem Kamin steht ein wunderbares Bild von Dir, das Dich als Bavaria zeigt. Wer hat es gemalt und zu welchem Anlaß ist es entstanden?

 

 

 

Gemälde von Bernhard Prinz, Motiv Gabi Weishäupl.

 

 

G.W.: Bernhard Prinz hat dieses Gemälde im Auftrag der Wiesnwirte zu meinem Abschied als Wiesnchefin 2012 gemalt. Prinz geht mehr in die Richtung Karikatur und hat unter vielen anderen auch Karl Lagerfeld, Amy Winehouse, die Queen, Elton John und Klaus Kinski porträtiert. Mehr unter www.bernhard-prinz.com (Anm. der Redaktion).

 

 

 

 

Weitere Motive von Bernhard Prinz.

U.T.: Du wirst ja wie in der SZ zu lesen war in einem Atemzug als Münchner Original zusammen mit Karl Valentin, Liesl Karlstadt und Rudolph Mooshammer genannt. Wie gehst Du mit dieser Ehre um?

 

G.W.: entspannt………

 

 

U.T.: Da sind wir schon beim nächsten Thema: die schwule Community in München, für die Du Dich seit Jahren interessierst. Du bist mit Dietmar Holzapfel, Chef der „Deutschen Eiche“ seit Jahren befreundet. Wie habt ihr Euch kennengelernt und was habt Ihr gemeinsam für die Community in München bewegen können?

 

G.W.: bereits in den 90-er Jahren begann unsere Freundschaft, Dietmar hat mich auf die ITB (Internationale Tourismusmesse Berlin) begleitet und wir haben dort unter großer Beachtung der gesamten Branche mit einem Stand die Gay Community vorgestellt. Es handelt sich hier um die weltgrößte Tourismusmesse und wir waren Vorreiter mit der Vorstellung von Hotels, Restaurants und Veranstaltern speziell für Gays.

 

U.T.: „Ehe für Alle“, eine Forderung nicht nur von der Rosa Liste, sondern auch von der FDP. Diese Partei steht Dir ja sehr nahe. Hättest Du Dich nach einem Wahlerfolg 2013 für unsere Rechte im Landtag eingesetzt? Es hätte starken Gegenwind aus den Reihen der CSU gegeben, dem Koalitionspartner. Im Bund hat Merkel die FDP in der Koalition wirklich leer laufen lassen, also jedes Projekt der FDP blockiert, verzögert oder ignoriert. Haben wir Homosexuellen eine Verbündete in Dir?

 

G.W.: Ja, natürlich! Ich habe schon immer Toleranz und Liberalität gepflegt wie es auch die FDP macht. Nachdem Sabine Leutheusser-Schnarrenberger die Verpartnerung gleichgeschlechtlicher Paare vom Notar zum Standesamt hin durchgesetzt hat, fehlt nun noch die Anpassung des Adoptionsrechts. Dafür hätte ich mich unter anderem eingesetzt.

 

U.T.: Trump ist ein großes Thema weltweit, oder besser sein Chauvinismus, seine Homophobie und seine restriktive Einwanderungspolitik. Ich habe Dietmar Holzapfels Besuch zu Deinem Geburtstag in einer Trump-Maske mit gemischten Gefühlen gesehen. Wie ernst muss man diesen Präsidenten nehmen? Wie gefährlich ist sein Verhalten gegenüber Minderheiten?

 

G.W.: Ich habe keine Angst vor Trump! Wir müssen auf das Prinzip von Checks and Balances vertrauen. So wurde Trump ja bereits mit seiner verschärften Einwanderungspolitik von der Judikativen gebremst. Er muß lernen die Gewaltenteilung zu akzeptieren wie es sich in einer Demokratie gehört

 

U.T.: Du singst gerne, das hast Du auch auf Deiner Geburtstagsfeier von den Gästen eingefordert. Deine Idee, für jede Gruppe der Gäste ein passendes Lied anzustimmen, hat mir sehr gut gefallen. „Hoch auf dem gelben Wagen“ für Deine FDP-Freunde, „Mir san vom Wald dahoam“ für Deine Freunde aus Niederbayern und „Er gehört zu mir“ für Deine schwulen Freunde. Der Rosenberg Song hat dann leider zeitlich nicht mehr geklappt, aber wie ich erfahren habe werden wir das nachholen.

 

G.W.: Ja, Dietmar Holzapfel hat mich schon angerufen und uns zum Essen in die Deutsche Eiche eigeladen, damit wir dort „Er gehört zu mir“ für ihn und seinen Mann, die übrigens an meinem Geburtstag, dem 28. Februar, Hochzeitstag haben, singen können. Da mußt Du mir mit Deinem Mann Peter helfen.

 

U.T.: Sehr gerne, ich werde noch fleißig üben, damit ich mich nicht blamiere. Und vielleicht auch noch bei Claudia Sommer, einer super guten Sängerin und lieben, einfühlsamen Gesangslehrerin, eine Stunde nehmen (mehr Infos unter www.claudiasommer.com, Anm. der Redaktion). Da hast Du ja einen großen Vorteil, weil Du mit Deinen Eltern schon in frühester Kindheit Hausmusik gespielt hast und selbst Klavier und Akkordeon gelernt hast, und auch  im Kirchenchor hast Du gesungen .

 

U.T.: Verkleidest Du Dich gerne im Fasching? Da Du dieses Jahr am Faschingsdienstag Geburtstag hattest, haben Dich die Damischen Ritter mit André Hartmann und das Prinzenpaar der Narrhalla, Petra und Christian Gaisböck, besucht. Welche Bälle besuchst Du gerne?

Petra und Christian Gaisböck mit Uwe Tomas beim Medizinerball im Bayerischen Hof 2017. (Foto Uwe Tomas privat)

 

G.W.: Nein, verkleidet habe ich mich nur als Kind. Und da haben mich die klassischen Helden sehr  fasziniert seit mir mein Großvater ein Buch über diese Sagen geschenkt hatte. So wie zum Beispiel Archill oder Aeneas. Da habe ich mit einem Holzschwert in den Geschichten gekämpft.

 

In meiner Anfangszeit als Tourismusdirektorin der Landeshauptstadt München habe ich bis zu 13 Bälle in der Saison besucht. Das reicht für ein Leben. Besonders gefreut hat es mich, daß das Kinderprinzenpaar der Würmesia, die mir auch den großen Morisken verliehen hat, zu meinem Geburtstag für mich getanzt hat. Dann waren da noch André Hartmann als Ritter Kasimir von den Damischen Rittern ( mehr dazu unter www.andrehartmann.de, Anm.der Redaktion) und das Prinzenpaar der Narrhalla, Petra und Christian Gaisböck. Alle haben mir die Ehre am Faschingsdienstag zu meinem Geburtstag gegeben.

 

U.T.: Das Oktoberfest wurde durch Dich zu einer weltweiten Marke. Ist dieser Hype nicht auch ein bisschen Fluch für München? Die irrsinnig hohen Hotelpreise in diesen 2 Wochen, der Ansturm auf München mit all seinen Konsequenzen wie Staus, Luftverschmutzung, Lärm und nicht zuletzt Kriminalität bis hin zu der Gefahr, daß München als Terrorziel interessant wird?

 

G.W.: Die Zwischenfallquote, wie es bei uns hieß, lag und liegt im Promillebereich. Das Fest bringt der Stadt München über 1,4 Milliarden EUR pro Jahr. Es ist der größte Imagefaktor für München. Oktoberfest ist der bekannteste deutsche Begriff vor Goethe und Bratwurst. Das hättest Du jetzt nicht gedacht.

 

Die negativen Seiten werden durch eine perfekt Zusammenarbeit und Organisation aller städtischen und staatlichen Kräfte minimiert.

 

U.T.: Ich selbst bin wie Du auch kein Biertrinker und habe nüchtern die letzten 3 Oktoberfeste im Bierzelt zu überstehen. Vorher war ich viele Jahre, genauer gesagt seit dem Attentat von 1980, nicht mehr dort. Damals kamen Freunde von uns ums Leben und 2016 hat ja sogar Regine Sixt die Damenwiesn abgesagt, weil sie die Verantwortung für so viele Gäste persönlich nicht übernehmen wollte. Kannst Du mit all Deinem Insiderwissen unbeschwert feiern?

 

G.W.: Ich bin seit 30 Jahren nicht in Feierlaune, wenn ich über die Wiesn gehe, weil ich immer noch mit den Augen der Festleiterin die Besucherzahlen schätze, Flaschen aufhebe und Betriebsverstöße sofort erkenne. Es ist für jeden anderen Besucher ein Fest der Sinne, die Gerüche der gerösteten Mandeln und der Brathendln, die Musik aus den Zelten und die vielen bunten Lichter. Am Abend der silberne Mond über dem Schottenhammel………ja das genieße ich auch……….

 

Nun zu meinem Bierkonsum: In 28 Wiesnjahren habe ich insgesamt 1 Maß getrunken, weil ich nur zum Anstich jeweils einen kleinen Schluck probiert habe und so kommt in all den Jahren etwa eine Maß zusammen.

 

Es gibt es jedes Jahr eine Gedenkfeier für die Opfer des Anschlags von 1980 zusammen mit Vertretern der Stadt und den Angehörigen der Opfer mit einer Kranzniederlegung.

 

U.T.: Presse-und Meinungsfreiheit sind ein hohes Gut in unserer Demokratie. Geht Luise Kinseher am Nockherberg beim Derblecken zu weit? An welchen unangenehmen Angriff auf Dich erinnerst Du Dich?

 

G.W.: Ich wurde einmal zauberhaft derbleckt: der „Ude“ (Uli Bauer) hat die „Weishäupl“ (Christine Neubauer) gefragt, was denn der Fremdenverkehr dieses Jahr so macht, und da haben sich alle am Nockherberg spontan zu mir umgedreht und mich fragend angeschaut……

 

Die Luise Kinseher ist nicht meine Kragenweite, ich denke gerne an Walter Sedlmayr zurück und an den spektakulären Bruno Jonas, die waren Spitzenklasse!

Walter Sedlmayr am Nockherberg in den 70-er Jahren, Luise Kinseher mit UweTomas in der Lach-und Schiessgesellschaft 2015 (Foto privat)

 

U.T.: Dieses Jahr werde ich die Konkurrenzveranstaltung, den Starkbieranstich im Löwenbräukeller, am Donnerstag, den 9. März, mit Christian Springer besuchen. Interessiert Dich das? Was hälst  Du von Springers politischem Engagement mit seinem Verein „Orienthelfer“ für syrische Flüchtlinge? Er hilft  vor Ort in den betroffenen Ländern und versucht vorrangig Fluchtursachen zu beseitigen bzw. den Menschen auf der Flucht und in den Lagern ein würdiges Leben zu ermöglichen.

 

G.W.: Ich bin da. Und oute mich hier als Fan von Christian Springer, den ich außerdem für sein humanitäres Engagement sehr bewundere. Ja, da gehen wir zusammen hin. Holst Du mich um 18 Uhr ab?

 

U.T.: Sehr gerne. Was wünscht Du Dir für das laufende Jahr? Was sind Deine Pläne privat und politisch?

 

G.W.: Ich wünsche mir, daß mein Sohn seinen Magister in Volkswirtschaft mit einer guten Note abschließt. Politisch werde ich kein Amt anstreben, bleibe aber Mitglied der FDP.

 

U.T.: Vielen Dank für das Gespräch und Deine ehrlichen Antworten. Alles Gute für Dich und Deine Familie. Du hast Dich an Deinem Geburtstag erstmals mit Deinem privatem Glück  öffentlich gezeigt: Deine 2 Kinder, Verena und Emanuel, und Deine 2 Enkelkinder Alina und Isabella. Wolltest Du sie bewusst aus Deinem internationalen und öffentlichen Leben raushalten?

 

G.W.: Ja , unbedingt. Es war mir sehr wichtig, die Kinder aus meinem öffentlichen Leben rauszuhalten.

 

U.T.: Das kann ich gut verstehen. Du hast eine wunderbare Familie! Und nochmals Danke für Deine Gastfreundschaft hier in Solln bei Dir dahoam.

 

Dr. Gabriele Weishäupl beim Interview mit Uwe Tomas für LiSL Bayern im März 2017
(Foto LiSL Bayern)