LiSL Bayern im Interview mit Anne-Marie Sprotte – I Kissed A Girl… frei nach Katy Perry (2008, universal music)

Anne-Marie Sprotte (*8. August 1942). Foto: privat.

Anne-Marie Sprotte (*8. August 1942). Foto: privat.

Anne-Marie Sprotte (*8. August 1942) kam in Wien zur Welt, ist dann aber bald mit ihrer Familie nach München gezogen, wo sie seitdem wohnt. „Die sportliche Blonde aus München“ (Funk Uhr 1971) kündigte das ARD-Fernsehprogramm an, moderierte im Regionalprogramm die „Abendschau“, das „Bayernstudio“, den „Samstagsclub, den „Schlagerladen“ und „ARD-Nachtexpress“ neben vielen weiteren Auftritten bei Galas, Charity-Abenden und Modenschauen. Ihr Weg führte sie nach einer kaufmännischen Ausbildung über New York (Hostess bei der Weltausstellung 1965) nach Baden-Baden, wo sie aus 400 Bewerberinnen für den vakanten Posten in der Sprecherriege von Programmdirektor Günter Gaus ausgewählt wurde.

Auch ein Ausflug im die Filmschauspielerei zusammen mit ihrem damaligen Ehemann, dem Schauspieler Michael Cramer, mit dem Kinofilm „Ich denk’ mich tritt ein Pferd“ hat sie erfolgreich bestanden mit einer kleinen Rolle neben Uschi Glas.

Hochzeitsbild mit Michael Cramer. Die Ehe hielt bis 1975. Foto: privat.

Hochzeitsbild mit Michael Cramer. Die Ehe hielt bis 1975. Foto: privat.

Anne-Marie Sprotte ist das lebende „Who is Who“ von München: über jede und jeden hat sie etwas zu berichten und wird uns heute einige Anekdoten erzählen.

Zuletzt stand sie neben Bibi Johns und Johnny Logan Patin für eine Geschichte im Buch „Alles ist Liebe“ von Peter Zörner. Dieses Charity-Projekt hilft der Stiftung „s’Münchner Herz“ von Margot und Günter Steinberg, zu bestellen bei www.peter-zoerner.de oder per mail petzi1@t-online.de.

Anne-Marie Sprotte, die Fernsehansagerin - ein Poträt der Funk Uhr. Privatarchiv.at.

Anne-Marie Sprotte, die Fernsehansagerin – ein Poträt der Funk Uhr. Privatarchiv.

Uwe Tomas: Liebe Anne-Marie, Du hast mich und meinen Mann Peter immer so herzlich empfangen. Heute bin ich schon wieder in Deiner schönen, gemütlichen Wohnung zu Gast und Du willst uns diesmal mit ein paar „G’schichtn“ aus Deiner erfolgreichen Zeit beim BR (Bayerischer Rundfunk) unterhalten. Das freut unsere Mitglieder und Leser unserer website LiSL Bayern (www.lisl-bayern.de) und unserer facebook Seite sehr. Du lebst ganz ohne Computer und Smartphone. Wie informierst Du Dich über das Tagesgeschehen?

Anne-Marie Sprotte: Im Radio, gerne Bayern 5 aktuell. Schließlich habe ich durch meinen Beruf zu diesem Medium eine sehr enge Beziehung. Als Zeitung lese ich gerne die TZ. Serien, heute soaps genannt, meide ich tunlichst. Dagegen sehe ich regelmäßig die NDR Talkshow mit Giovanni di Lorenzo, Judith Rakers, Barbara Schöneberger und Hubertus Meyer-Burckhardt. Ein wirklich gutes Format, nicht dieses Überangebot an Informationen, die uns jeden Tag ereilen.

Uwe Tomas: Gerade heute haben mich wieder schlechte Nachrichten aus Slowenien erreicht. Dort wurde in einem von der Kirche initiierten Referendum über die Homo-Ehe abgestimmt. Kein gefälliges Wort, ich würde eher sagen, dass die Slowenen gegen eine rechtliche Gleichstellung gestimmt haben. Du kennst Peter und mich. Haben wir es verdient, in einem rechtlich sicheren Rahmen zu leben?

1964 in Italien, Anne-Marie in Diva-Pose: einfach traumhaft! Foto: privat.

1964 in Italien, Anne-Marie in Diva-Pose: einfach traumhaft! Foto: privat.

Anne-Marie Sprotte: Selbstverständlich! So übernimmt man gegenüber einem anderen Menschen Rechte und Pflichten. Diese Lebensform hat Anerkennung verdient, … und die Andersdenkenden können einem Wurscht sein. Die sind sowieso schwer zu überzeugen. Aber hier sind wir auf einem guten Weg.

Uwe Tomas: Ist denn Toleranz gegen diese „Nicht“-Toleranten möglich?

Anne-Marie Sprotte: Ja, aber lass es nicht zu, dass andere Dich leben. Das ist so mein Leitspruch gegen Fremdbestimmung und Bevormundung.

Uwe Tomas: Da soll auch allen anderen homosexuellen Menschen erlaubt sein. Gab es denn in Deiner Zeit beim Rundfunk schwule oder lesbische Kollegen? Waren diese geoutet oder sprach man nur über vorgehaltener Hand über sie?

Anne-Marie Sprotte: Ich habe immer schon ein gutes Gefühl für die sexuelle Orientierung meiner Mitmenschen und Kollegen gehabt. Bei einem Barbesuch in München in netter Runde mit Kollegen und Freunden hat mich einmal ganz unvermittelt eine junge Frau geküsst (Anmerkung der Redaktion: deshalb der Titel des Interviews „I Kissed A Girl“), und zum Tanzen aufgefordert. Da hat sie eine Watschn gekriegt. Das war mir schon sehr unangenehm, dieses Erlebnis mit einer Lesbe. Aber ich habe wirklich sehr nette schwule und lesbische Kollegen kennengelernt. Ramona Leis ist so ein wunderbarer Mensch, die ja übrigens auch mit einer Frau verheiratet ist und letztes Jahr den CSD in München moderiert hat.

Autogramm von Freddy Quinn für Anne-Marie Sprott. Privatarchiv.

Autogramm von Freddy Quinn für Anne-Marie Sprott. Privatarchiv.

Uwe Tomas: Aber der Song von Katy Perry „I Kissed A Girl“ ist schon super und wirbt für Toleranz. Und auch Freddy Quinn war Dir sehr sympathisch in Deiner Sendung im Juni ´71. Anderes Thema: Seit 11.11. haben wir Fasching. Ich muss Dir einfach den Karnevalswitz über die Fernsehansagerin erzählen, die beim Ankündigen des Abendprogramms sagte: „ Meine sehr verehrten Zuschauer, ich freue mich sehr, Ihnen heute, um 20 Uhr den Horrorklassiker „Das schwarze Loch“ anzusagen. Im Anschluss sehen Sie „Mainz, wie es singt und lacht“. (klingt gesprochen wie „meins, wie es singt und lacht“, Anm. d. Red.). Hast Du Humor?

Anne-Marie Sprotte: Ja. Und die Ansagerin kannte ich auch. Das war Ursula von Manescul und ist wirklich passiert und heute noch lustig.

Uwe Tomas: Musst Du auch haben, wenn Du mir ein Interview gibst. Was war denn Dein größter Versprecher im Fernsehen?

Anne-Marie Sprotte: Kurz vor meiner Ansage war ich noch in Riemerling Tennis spielen, kam recht abgehetzt beim Fernsehen an und habe dann „Jetzt folgt der Übelick“ gesagt. Es sollte heißen der „Überblick“ auf das Abendprogramm.

Uwe Tomas: Welchen Thema bzw. welche Nachricht hat Dich bei der Moderation emotional am meisten bewegt? Ein bestimmter Nachruf, eine schlimme Katastrophe?

Anne-Marie mit Fritz Hausmann bei der Sendung im BR2 „Sport Stars Stereo“, die viele Jahre erfolgreich lief. Die Hörer sollten die Namen von Sportlern erraten, die in ihrem Privatleben vorgestellt werden, ohne ihre Sportart zu erwähnen. Foto: privat.

Anne-Marie mit Fritz Hausmann bei der Sendung im BR2 „Sport Stars Stereo“, die viele Jahre erfolgreich lief. Die Hörer sollten die Namen von Sportlern erraten, die in ihrem Privatleben vorgestellt werden, ohne ihre Sportart zu erwähnen. Foto: privat.

Anne-Marie Sprotte: Das weiß ich ganz genau. Ich war mit dem Verlesen der Nachrichten fast fertig als noch eine letzte Meldung zu mir gereicht wurde. „Peter Vogel ist gestorben“. Ich konnte dann Gott sei dank gleich raus, da es die letzte Nachricht war und musste mich übergeben. Peter war ein langjähriger und sehr lieber Freund, wir waren eine eingeschworene Clique zusammen mit Peter Kraus und es ging mir sehr nahe. Er war ja nicht krank und sein Tod war so ein Schock für mich.

Uwe Tomas: Das Jahr geht zu Ende , man resümiert. Hast Du Wünsche für die Zukunft?

Anne-Marie Sprotte: Keine.

Artikel der Funk Uhr über Anne-Marie Sprott und Günter Sachs, Januar 1971. Privatarchiv.

Artikel der Funk Uhr über Anne-Marie Sprott und Günter Sachs, Januar 1971. Privatarchiv.

Uwe Tomas: Nun noch ein paar Worte zu Deinen Gästen in der Sendung „Sport Stars Stereo“ und Begegnungen mit berühmten Menschen. Du wolltest Gunter Sachs im Januar 1971 verführen. Das war ja mal eine Zeitungsente, aber ein sehr lustiges Bild, das Du selbst mit „So ein Schmarrn“ kommentiert hast.

Liebe Anne-Marie, danke für das interessante Gespräch, weiterhin viel Glück und Gesundheit für Dich. Übrigens, Du bist schon seit 26 Jahren liiert, sogar mit einem Mann…

 

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